Ärzte Zeitung, 03.09.2009

Verliebt sein - ein Gefühl der Hilflosigkeit

Wird man vom Küssen schwanger? Diese Frage haben auch Menschen mit Trisomie 21. Viele werden nicht aufgeklärt. Ein Film soll nun helfen.

Von Pete Smith

zur Großdarstellung klicken

Kai (Mario Gaulke) und Tina (Juliana Götze) sind verliebt - und haben beide große Angst davor.

Foto: pro familia

FRANKFURT/MAIN. Kai liebt Tina, und Tina liebt Kai. Beide sind über 20, berufstätig und bereit, für den anderen da zu sein. Eigentlich könnte alles so einfach sein, wenn…

Um genau jene Konjunktion geht es in Cornelia Thaus Film "Liebe und so Sachen…". Wenn Kai und Tina ohne Down-Syndrom auf die Welt gekommen wären, dann wäre zwischen ihnen tatsächlich alles einfach. Aber sie selbst sind stark verunsichert, und nicht jedem in ihrer Nähe ist bewusst, dass ein Mensch mit Trisomie dieselben Gefühle und Bedürfnisse hat wie jeder andere Verliebte auch. So haben es die Eltern von Tina versäumt, ihre Tochter aufzuklären, und auch Kai steht seinen Gefühlen völlig hilflos gegenüber.

Was Tina und Kai brauchen, sind Menschen, die sie bei der Hand nehmen und ihnen erklären, wie "es" funktioniert. Davon handelt "Liebe und so Sachen…", ein, wie es im Untertitel heißt, "Liebesfilm, der aufklärt und Spaß macht".

Die Produktion und Herstellung des bundesweit einzigartigen Films hat mehrere Jahre in Anspruch genommen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Herausgekommen ist ein Film, der das Thema ernst nimmt, indem er konsequent die Perspektive der Protagonisten einnimmt und jene nicht von oben ablichtet. Das ist nur möglich, weil Cornelia Thau mit Juliana Götze und Mario Gaulke zwei kongeniale Hauptdarsteller gefunden hat.

Kai und Tina lernen sich in der Großküche einer Behindertenwerkstatt kennen und lieben. Das erste Lächeln, der erste gemeinsame Spaziergang, der erste Kuss - alles ist schön, bis Ängste aufkommen. "Und wenn ich jetzt ein Kind von Kai bekomme?", fragt Tina ihre ältere Schwester. Die kann sie beruhigen: Vom Küssen wird man nicht schwanger, dazu gehört schon etwas mehr.

Was genau, das wird im Film durch Zeichentricksequenzen erklärt. Genial einfach, denn auf diese Weise wird alles gezeigt, ohne die Protagonisten zu entblößen. Der Film erläutert, welche Verhütungsmethoden es gibt, wie man ein Kondom überstreift, wo frau sich die Pille besorgt, und dass man "Nein" sagen darf und soll, wenn einem eine Berührung, eine Annäherung nicht gefällt. Am Ende des aufklärenden Spielfilms wird auch die überbehütende Mama einsehen, dass ihre 23-jährige Tochter längst erwachsen ist.

"Für Menschen mit einer geistigen Behinderung ist es nach wie vor schwierig, ihre altersgerechten Bedürfnisse zu leben - auch, weil sie nicht ausreichend über ihre Sexualität informiert sind", sagt Dr. Carolin Hornack vom Landesvorstand pro familia Hessen. Dazu seien professionelle und zielgruppengerechte Aufklärungsmedien nötig, die es bislang in dieser Form nicht gegeben habe.

Die Filmcrew von "Liebe und so Sachen…" ist bei der Premiere des Streifens mit Standing Ovations gefeiert worden. Der knapp einstündige Film wurde von pro familia Hessen in Auftrag gegeben und ist von der "Aktion Mensch" gefördert worden.

Die DVD "Liebe und so Sachen" kann über die Hessische Fördervereinigung der Pro Familia Hessen, Palmengartenstraße 14, 60325 Frankfurt oder per E-Mail:

foerderverein.lv.hessen@profamilia.de

bestellt werden. Der Kaufpreis für Privatpersonen beträgt 39 Euro.

Topics
Schlagworte
Panorama (30149)
Krankheiten
Kontrazeption (975)
Personen
Pete Smith (500)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBV drücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Auch mit Kind zügig möglich"

Eine Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »