Ärzte Zeitung online, 14.07.2009

Psychologen: Mitleid geht durch die Nase

DÜSSELDORF (dpa). Mitleid geht durch die Nase: Menschen können nach einer Studie Düsseldorfer Psychologen die Angst anderer unbewusst über die Nase wahrnehmen. Damit sei weltweit erstmals der Nachweis gelungen, dass auch beim Menschen Gefühle chemisch übertragen werden. Dies war bisher nur aus der Tierwelt bekannt.

Psychologen: Mitleid geht durch die Nase

Ein ganz besonderer Duft: Angstschweiß.

Foto: philippe Devanne©www.fotolia.de

"Fliegen, Fische oder Nagetiere, alle kommunizieren Stress chemisch", sagt die Psychologin Professor Bettina Pause von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.

Hat ein Mensch Angst, bildet er im Schweiß bestimmte Moleküle. Nimmt ein anderer Mensch diese wahr, werden in seinem Hirn die Regionen aktiviert, die für Mitleid und das Erkennen von Angstzuständen zuständig sind. Dabei müsse der Angstgeruch keineswegs bewusst wahrgenommen werden, sagte Pause.

Während der knapp zehn Jahre laufenden Untersuchungen der Düsseldorfer Psychologen waren Proben von 50 Schweißspendern genommen worden. Mittels Wattepads unter den Armen lieferten die Studenten zunächst Angstschweiß aus einer Prüfungssituation ab, wenige Tage später Schweiß, der beim Sport erzeugt wurde.

Diese Gerüche wurden über ein sogenanntes Olfaktometer in die Nasen von 28 Probanden übertragen, deren Gehirnaktivitäten gleichzeitig gemessen wurden. Lediglich die Hälfte von ihnen habe überhaupt bewusst Schweißgeruch wahrgenommen (PLoS One 4, 2009, e5987).

Klar gezeigt habe sich, dass nur beim Übermitteln der Angstschweiß-Proben genau die Hirnareale aktiviert wurden, die auf ein "emotionales Widerspiegeln" der Gefühle anderer sowie auf das Erkennen von Angstmerkmalen spezialisiert sind. Beim Sport-Schweiß habe es hingegen überhaupt keine messbaren Hirnreaktionen gegeben. Pause: "Das bedeutet, dass Angst, wenn sie geruchlich wahrgenommen wird, ansteckend wirkt und empathisches Miterleben auslöst."

Das Erkennen der Angst anderer Menschen "verändert als eine Art Frühwarnsystem die Wahrnehmung in Richtung Gefahr", erläuterte die Wissenschaftlerin. Dies helfe bei der Klärung oft mehrdeutiger sozialer Situationen etwa bei der Konfrontation mit einer unbekannten Menschenmenge. Hier werde dann ein Rückzugsverhalten eingeleitet.

Noch sei die molekulare Zusammensetzung der Schweißarten ebenso ungeklärt wie die Frage, wie weit der Duft der Angst wirke: "Wir denken, es sind Moleküle, die eine gewisse Distanz überwinden", sagte die Wissenschaftlerin. Wer mit Körperhygiene gegen seine ängstliche Ausstrahlung angeht, hat nach Expertenurteil kaum Chancen: "Deo-Roller können nur für bestimmte Zeit die Signale stören."

Volltext der Studie "Induction of Empathy by the Smell of Anxiety"

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