Ärzte Zeitung online, 30.07.2009

Ex-Bürgermeisterin: Ämter wussten von Jennifer

LÜBBENOW(dpa). Im Fall der versteckten Jennifer aus Brandenburg hat die ehemalige Bürgermeisterin des Uckerland-Ortsteils Lübbenow bestätigt, dass die Behörden seit Jahren von dem Mädchen wussten. "Ich habe damals selbst das Jugendamt in Prenzlau angerufen, was länger als vier Jahre her sein muss, und eine Kollegin hat eine Aktennotiz darüber gefertigt", sagte Monika Becker am Donnerstag der dpa in Lübbenow.

Die Eltern sollen das Mädchen seit neun Jahren zu Hause versteckt haben. Mitte Juli hatte das Jugendamt die inzwischen 13-jährige Jennifer, die geistig behindert sein soll und noch nie eine Schule besucht hat, aus der Familie geholt. Der Fall sorgt bundesweit für Schlagzeilen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Eltern.

Becker, die seit 2008 im Ruhestand ist, sagte weiter: "Auf einer Geburtstagsfeier in der Nachbarschaft erzählten damals Lübbenower, dass immer ein Mädchen am Fenster erscheint, wenn die restliche Familie mit dem Auto wegfährt." Das Jugendamt habe daraufhin erklärt, es sei zuständig, die Gemeinde müsse sich nicht darum kümmern.

Nach Angaben des Landkreises hatte ein Mitarbeiter 2006 bei einer Prüfung keine Gefährdung des Kindes festgestellt und den Eltern geglaubt, dass die Tochter wegen ihrer Behinderung von der Schulpflicht befreit sei. Die Familie soll vor neun Jahren aus Berlin in das Haus am Ortsrand gezogen sein, zwei weitere Kinder gehen regulär in die Schule.

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