Ärzte Zeitung online, 30.07.2009

Arztserie: Zweite Staffel von "Doctor's Diary" startet

HAMBURG(dpa). Neue deutsche TV-Ärzte haben es nicht leicht. Nur Oldies wie die Sachsenklinik bei "In aller Freundschaft" scheinen sich zu behaupten, anderes wie die Sat.1-"Klinik am Alex" verschwand gleich wieder. Dagegen hat die RTL-Serie "Doctor's Diary", im letzten Jahr mit Grimme-Preis und anderen Ehrungen bedacht, mit ihrer kräftigen Prise schrägen Humors den Nerv eines großen Publikums getroffen. Die zweite Staffel läuft an diesem Montag (20.15 Uhr) an.

"Doctor's Diary - Männer sind die beste Medizin" erzählt die Geschichte einer nicht perfekten Frau "mit allen dem Zuschauer vertrauten Sorgen und Nöten", das aber "mit Leichtigkeit, Humor und Komik", sagt RTL-Fiktion-Chefin Barbara Thielen und erklärt sich damit den Quotenerfolg der ersten Staffel. Im Durchschnitt sahen 2,65 Millionen Zuschauer die ersten acht Folgen, das war ein Marktanteil von 16,5 Prozent in der für den werbefinanzierten Sender wichtigen Altersgruppe der 14- bis 49-Jährigen.

Sieht man die ersten Folgen der neuen Staffel, dann wirkt es zuweilen, als habe da jemand eine stille Liebe zu Ärzteserien alter Art, müsse sich aber diese Sympathie mit viel Ironie selbst schmackhaft machen, wie Bully Herbig seine Winnetou-Leidenschaft im "Schuh des Manitu". Diese Parallele weist Drehbuchautor Bora Dagtekin zurück: "Ich habe mit konventionellen Klinikserien nichts am Hut, wirklich. Mir kommt es auf die Komik an." Es ist eine manchmal recht makabre Komik, wenn gleich im ersten Film der einstigen Klassenschönheit die Perücke vom Kopf rutscht und sie kahlköpfig dasteht: Krebs! "Doch. Auch über so was kann man lachen", beharrt Dagtekin. Denn: "Tod und Liebe sind zwei Phänomene, die sich nur mit Humor bewältigen lassen."

Also begleitet das Publikum weiterhin die fachlich patente, privat eher unbedarfte Ärztin Gretchen Haase (Diana Amft) durch alle Fährnisse ihres Berufs- und Liebeslebens. Wir sehen sie weiterhin zwischen zwei attraktiven, doch grundverschiedenen Männern. Internist Meier (Florian David Fitz) ist das Chauvi-Oberschwein, Gynäkologe Kaan der seelenvoll blickende Softie. Kaan-Darsteller Kai Schumann würde es allerdings begrüßen, wenn irgendwann mal jeder der beiden Herren in sich Züge des anderen entdecken würde.

Vielleicht ergibt sich das, wenn sich erst die beiden gegen einen rivalisierenden Dritten zusammentun müssen. Denn als skurriler Millionen-Erbe Alexis von Buren stellt sich in der neuen Staffel Steffen Groth ein - einer mehr, der in Gretchens Seele für manchen Aufruhr sorgt. In jedem Fall scheint der Mix aus Gefühl und Profession anzukommen. Auch das Ausland hat bereits aufgemerkt. In Spanien ist die erste Staffel schon gelaufen, Frankreich wird die nächste Station sein. Nicht nur Propheten, sondern auch TV-Serien scheinen jenseits der Grenzen oft mehr zu gelten als im Heimatland.

Bora Dagtekin kennt das aus Erfahrung. Seine "Türkisch für Anfänger"-Serie, hierzulande mit vielen Preisen, aber nur mageren Quoten bedacht, wurde immerhin schon in 75 Länder verkauft. Auch die Türkei gehört dazu, allerdings unter Verzicht auf einige, in türkischen Augen nicht hinreichend politisch korrekte Folgen. Der Erfolg entlockt dem Autor jedoch nur einen Seufzer: "Alles sehr schön, aber ich verdiene keinen Cent daran."

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