Ärzte Zeitung online, 03.08.2009

"Letzter Halt Sex": ARD-Film zur Generation Porno

HAMBURG/MAINZ(dpa). Nichts für prüde oder allzu bürgerliche Gemüter: In der Reportage "Letzter Halt Sex - Kids am Abgrund" gibt die ARD an diesem Mittwoch (23.30 Uhr) Einblick in das Leben der sogenannten Generation Porno, also heutiger Teenager, die von Sex, Rap-Musik und Gewalt-Erfahrungen geprägt ist.

Das im Auftrag des Südwestrundfunks (SWR) entstandene Feature des Filmemachers, Arztes und Psychologen Manfred Bölk, zeigt einen ziemlich verwahrlosten und verrohten Teil des heutigen Deutschlands. Recherchiert wurde in Berlin, Hamburg und Köln.

Beispiel: Cheeks. Er ist 16 Jahre alt, kommt aus dem von seinen Plattenbauten geprägten Berliner Stadtteil Hellersdorf, hatte nach eigenen Angaben das erste Mal Sex, als er 14 war, und seitdem mit elf Mädchen Geschlechtsverkehr. Er sagt "Ich brauch‘ viel Sex" und träumt davon, es mal mit drei Mädchen gleichzeitig zu machen. Sein Kriterium bei Sex-Partnerinnen: "Ich find's besser, wenn da noch nicht so viele drin waren."

Andere Jugendliche, die in dem 45-minütigen Film vorkommen, sind beispielsweise Roger (19), der seinen ersten Sex mit elf hatte und eines Tages Schauspieler werden will und auch nicht ausschließt, mal in einem Porno-Film mitzuwirken. Oder aber Dennis (15) und Marco (17), die aggressive Rap-Musik hören, weil das so "aus der Realität" heraus sei. Oder aber Jacqueline (17), die den Alltag in Hellersdorf als schwierig schildert, weil es so viele Teenager gebe, die auf Drogen seien und auf Ärger aus - Motto: "Erst geh‘ ich Schule und dann zu 'ner Schlägerei."

In seiner Ankündigung erklärt der SWR die Bestandsaufnahme der porträtierten Jugendlichen-Gruppe wie folgt: "Vor allem der frühzeitige und intensive Konsum von pornografischen Darstellungen hat ganz offenbar gravierende Auswirkungen auf die seelische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen." Als Kronzeuge fungiert im Film der Berliner Jugendpfarrer Bernd Siggelkow vom christlichen Kinder- und Jugendwerk "Arche", der zusammen mit einigen Mitstreitern seit mehr als einem Jahrzehnt mit Teenagern arbeitet.

Siggelkow berichtet beispielsweise von einer Gruppe Zehn- und Elfjähriger, die eines Tages plötzlich eine Massenvergewaltigung ("Gang-Bang-Szene") nachstellte - wenn auch bekleidet. Woher die Vorlage war, scheint klar: Im Internet gibt es viele Millionen Porno-Seiten. Sie sind auch leicht erreichbar für Jugendliche und längst ein Teil ihres Alltags geworden.

Siggelkow sagt, unsere Gesellschaft werde nicht nur "ärmer an Kindern", sondern auch "ärmer für Kinder". Seine Mitstreiterin Mirjam Müller, Sozialpädagogin, fasst zusammen, was der sehenswerten Reportage auch ihren Titel gab: Wenn es wenig Geld, kaum Perspektiven und viel Streit im Elternhaus gebe, komme heute so mancher Teenie zu der Erkenntnis: "Sex ist der letzte Halt und der einzige Inhalt am Tag."

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