Ärzte Zeitung online, 04.08.2009

Gestrandete Finnin kehrte in Heimat zurück

BERLIN(dpa). Eine in Berlin gestrandete und seit Monaten auf den beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld lebende Finnin ist in ihr Heimatland zurückgekehrt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ist die etwa 40-jährige als geistig verwirrt geltende Frau am vergangenen Freitag nach Helsinki geflogen worden. Ein Anwalt hat sie begleitet.

Das Kammergericht Berlin teilte am Montagabend mit, Grundlage für die Entscheidung "zum Wohl der Betroffenen" sei ein neues ärztliches Gutachten sowie eine weitere Anhörung der Finnin. Der Fall hatte weit über Berlin hinaus Aufsehen erregt. Die "Flughafen-Frau" wurde zu einer Art Medienstar. Ihr Schicksal erinnerte an den Kinofilm "Terminal" mit Tom Hanks, in dem ein Heimatloser jahrelang auf dem Flughafen Paris lebte.

Das Kammergericht wies ausdrücklich darauf hin, dass zum Schutz der Persönlichkeitsrechte weitere offizielle Auskünfte zu der Entscheidung "rechtlich unzulässig" seien. Auch das Auswärtige Amt in Berlin hatte sich mit dem Vorgang beschäftigt. Es hatte bereits im April bestätigt, dass es zwischen den finnischen und deutschen Behörden zur Vermittlung bereit sei.

Das Amtsgericht Wedding hatte bereits Mitte Februar eine deutsche anwaltliche Betreuerin für die Finnin bestellt, die zwischenzeitlich in eine Berliner Psychiatrie eingewiesen worden war. Die Familie der Finnin hatte Anfang März einen Versuch unternommen, die Frau nach Hause zu holen. Dazu kam es aber nicht, nachdem die Skandinavierin den deutschen Behörden erklärt hatte, in Berlin bleiben zu wollen.

Lange Zeit hatte sich der Pfarrer der Finnischen Gemeinde in Berlin, Kai Henttonen, um die Frau und ihr ungewöhnliches Leben in Berlin gekümmert. Ihr Irrweg hatte im Dezember 2008 begonnen, als sie erstmals als Dauergast auf dem Flughafen Tegel aufgefallen war. Da sie aber stets höflich und freundlich sowie gepflegt auftrat, respektierten die zuständigen deutschen Behörden ihren Willen, hierzubleiben.

Auch ein vorliegendes amtlich beglaubigtes Attest auf Zwangseinweisung in eine finnische Klinik änderte nichts daran. Erst das nun vom Kammergericht zitierte Gutachten und eine weitere Besprechung mit der Frau führten nun zu der am Montagabend bekannt gewordenen Lösung.

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