Ärzte Zeitung online, 18.08.2009

Mit Bettwäsche aus dem Gefängnis ausgebrochen

NÜRNBERG (dpa). Mit einer tollkühnen Flucht über das Gefängnisdach mit einem Seil aus Bettwäsche ist am Montag zwei Nürnberger Untersuchungshäftlingen der Ausbruch gelungen. Einer der beiden, ein 30-jähriger Pole, sei aber schon kurz nach der Flucht wieder festgenommen worden, berichtete die Gefängnisleitung. Nach seinem neun Jahre älteren Landsmann werde dagegen weiter gefahndet.

"Das ist schon ein vollkommen ungewöhnlicher Ausbruch, weil dafür besondere Akrobatik erforderlich ist", kommentierte ein Gefängnissprecher den Fall.

Nach seinen Angaben hatten die beiden Untersuchungshäftlinge heimlich die Holzdecke ihrer Zellen-Toilette durchbrochen. Das dafür erforderliche Werkzeug - vermutlich ein Schraubenzieher - sei vermutlich aus der Werkstatt der Haftanstalt in die Zelle geschmuggelt worden. Vor dem Gefängnispersonal verbargen die beiden ihre Fluchtvorbereitungen, indem sie den Durchschlupf zum Dachboden tagsüber mit Holzpaneelen verschlossen.

Vom Dachboden aus seien die beiden Häftlinge auf das Dach und schließlich auf die Anstaltsmauer gelangt. Auch eine Stacheldrahtrolle habe ihren Freiheitsdrang nicht bremsen können. Vom Dach hätten sie sich mit Hilfe zusammengeknoteter Bettwäsche auf einen Parkplatz abgeseilt, berichtete der JVA-Sprecher. "Für so eine Flucht ist schon Mut notwendig. Das sind immerhin 15 Meter Höhe. Wenn da was abreißt, stürzt man zu Tode."

Beide Untersuchungshäftlinge seien erst seit einigen Wochen in dem Gefängnis untergebracht. Gegen den Jüngeren der beiden wird wegen Vergewaltigung ermittelt, seinem Zellenmitbewohner werfen die Ermittler Einbruchsdiebstahl vor.

Die Nürnberger JVA-Leitung kündigte unterdessen rasche Konsequenzen an, um den aus dem Jahr 1901 stammenden Gefängnisbau ausbruchssicher zu machen. So sollen umgehend Bewegungsmelder auf dem Dachboden des mehrgeschossigen Zellentrakts angebracht werden. Auch andere Umbaumaßnahmen seien bereits im Gange, über die aber aus sicherheitstaktischen Gründen keine Angaben gemacht würden.

Erst Mitte Mai war einem Untersuchungshäftling mit einer waghalsigen Kletteraktion die Flucht aus derselben Haftanstalt gelungen. Ein 26 Jahre alter Abschiebehäftling war eine glatte Hauswand hochgeklettert, hatte ein vorspringendes Dach überwunden, sich durch Stacheldraht gekämpft und war mehrere Meter in die Tiefe gesprungen.

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