Ärzte Zeitung online, 20.08.2009

Freilassung von Lockerbie-Attentäter erwartet

LONDON/WASHINGTON (dpa). Der Attentäter von Lockerbie steht offensichtlich kurz vor der Freilassung. Der krebskranke Libyer Abdel Bassit Ali Mohammed al-Megrahi solle an diesem Donnerstag begnadigt werden und pünktlich zu Beginn des Ramadan in seine Heimat zurückkehren, berichteten mehrere Medien übereinstimmend.

Die schottische Regierung gibt ihre Entscheidung offiziell am Nachmittag in Edinburgh bekannt. Eine Freilassung dürfte vor allem in den USA Empörung auslösen, die meisten der Opfer des Anschlags waren Amerikaner.

Al-Megrahi war 2001 wegen des Bombenanschlags auf eine Maschine der US-Fluglinie PanAm über dem schottischen Ort Lockerbie zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bei dem Attentat am 21. Dezember 1988 wurden 270 Menschen getötet. Al-Megrahi leidet an Prostatakrebs und hat nach Angaben von Ärzten nur noch kurze Zeit zu leben. Eine Freilassung könnte jedoch auch Diskussionen darüber auslösen, inwieweit die Entscheidung mit den Geschäftsinteressen Großbritanniens im ölreichen Libyen zusammenhängt.

Die US-Regierung sei "informell" von der Absicht der schottischen Behörden, den 57-Jährigen frei zu lassen, informiert worden, meldete der US-Sender CNN unter Berufung auf Quellen im US-Außenministerium. Die britische Zeitung "The Times" berichtete, dass Al-Megrahi in einem Privatjet des libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi in seine Heimat geflogen werden soll. Außerdem sagte die Mutter des Verurteilten, sie hoffe, dass ihr Sohn zum Ramadan bei ihr sei. "Ich schließe die Haustür nicht mehr, ich erwarte, dass er jeden Moment zur Tür hereinkommt", sagte Hajja Fatma der "Tripoli Post" in Libyen.

Viele Angehörige der Opfer hatten auf eine mögliche vorzeitige Entlassung des Attentäters entsetzt reagiert. Auch US-Außenministerin Hillary Clinton und mehrere US-Senatoren hatten gefordert, Al-Megrahi die ganze Strafe von 27 Jahren in dem Gefängnis bei Glasgow verbüßen zu lassen. Bei dem Anschlag vor fast 21 Jahren hatte eine Bombe die PanAm-Maschine in der Luft zerfetzt und auf den schottischen Ort Lockerbie stürzen lassen.

Al-Megrahi, der stets seine Unschuld beweisen wollte, war der einzige, der für das Attentat zur Rechenschaft gezogen wurde. Er hatte jedoch am Dienstag eine zweite Berufung zurückgezogen und damit den Weg für seine mögliche Begnadigung frei gemacht.

Der schottische Justizminister Kenny MacAskill stand nun vor der Entscheidung, ob der Libyer begnadigt wird und frei kommt oder ob er an Libyen überführt wird und dort den Rest seiner Strafe verbüßen muss. MacAskill sagte, er habe die Familien und alle anderen Beteiligten über seine Entscheidung informiert.

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