Ärzte Zeitung online, 20.08.2009

Wer sich verirrt, läuft tatsächlich oft im Kreis

CAMBRIDGE/TÜBINGEN (dpa). Wer sich in der Wüste verirrt, läuft tatsächlich oft im Kreis. Das belegen Versuche Tübinger Forscher. Auch in anderen gleichförmigen Gegenden kommen Menschen häufig vom geraden Weg ab.

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Foto: Galyna Andrushko ©www.fotolia.de

"Die Geschichten über Menschen, die sich verirrt haben und schließlich im Kreis laufen, stimmen wirklich", betont Jan Souman vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen. "Menschen schaffen es nicht, eine gerade Linie einzuhalten, wenn ihnen Referenzpunkte wie Gebäude, Berge, Sonne oder Mond fehlen."

Die Forschergruppe, zu der auch Wissenschaftler aus Kanada und Frankreich gehören, vermutet, dass die Ursache in einer Störung des sensomotorischen Systems liegt. Es regelt das Zusammenspiel von Wahrnehmungen und Bewegungsabläufen. Ohne äußere Orientierungspunkte falle es dem Menschen offensichtlich schwer, seine Sinneswahrnehmung nachzujustieren, einen geraden Kurs beizubehalten und die Störung zu überwinden.

Für ihre Studie ließen die Wissenschaftler sechs Teilnehmer durch einen Wald in Deutschland marschieren, drei Probanden quälten sich mehrere Stunden durch die Sahara-Wüste. Mithilfe des satellitengestützten Global Positioning Systems (GPS) zeichneten die Experten die Wege der Teilnehmer auf. Zusätzlich ließen sie 15 Probanden mit verbundenen Augen über ein freies Feld laufen (Current Biology online vorab, Artikelnummer DOI: 10.1016/j.cub.2009.07.053).

Die Ergebnisse zeigten, dass die Testläufer im Wald und in der Sahara nur dann auf geradem Kurs blieben, wenn Sonne oder Mond zu sehen waren. Sobald die Sonne hinter Wolken verschwand, verloren die Probanden die Orientierung und liefen im Kreis - ohne es zu bemerken. Dabei kamen sie sowohl nach links als auch nach rechts vom Weg ab. Dies mache deutlich, dass das Laufen in eine Kreisrichtung nicht von der unterschiedlichen Länge oder Kraft der Beine verursacht werde. "Fehlerhafte Informationen aus den Sinnesorganen summieren sich auf. Dadurch können die beobachteten Kreisbahnen entstehen", folgert Souman.

Bei den meisten Probanden, die auf einem freien Feld mit verdeckten Augen geradeaus laufen sollten, wichen die Laufwege mehr oder weniger zufällig von der angepeilten geraden Linie ab. Immer wieder durchliefen die Testteilnehmer enge Kreise, manchmal sogar mit weniger als 20 Metern Durchmesser. Nur 3 von 15 zeigten dabei eine klare Tendenz, immer wieder in dieselbe Richtung abzuweichen.

In weitergehenden Untersuchungen wollen die Forscher nun herausfinden, wie Menschen Informationen nutzen, um sich zu orientieren. Mithilfe einer im Computer simulierten Landschaft planen die Wissenschaftler beispielsweise Versuche darüber, wie sich Menschen in einem virtuellen Wald orientieren, während sie sich auf einem fest installierten Laufband bewegen. Dadurch lasse sich noch genauer untersuchen, welche Faktoren die Orientierung beeinflussen.

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