Ärzte Zeitung online, 26.08.2009

643 Kilometer mit dem Rollstuhl nach Brüssel

FÜRTH (dpa). Mit zehn Stundenkilometern tuckert Ralf Ochsler am Mittwoch über die Landstraße von Würzburg nach Aschaffenburg. Ganze 643 Kilometer wird er zwischen mächtigen Lastern und knatternden Mopeds zurücklegen - im Rollstuhl. Nach zwölf Tagen will der Schwerbehinderte in Brüssel ankommen, wo er sich in Gesprächen mit Europaabgeordneten für die Belange behinderter Menschen einsetzen will.

"Vor allem aber möchte ich mit meiner Aktion anderen Behinderten Mut machen - zeigen, dass man trotz der Einschränkungen vieles erreichen kann", sagt der 48-Jährige.

Acht Stunden muss Ochsler täglich fahren, um rechtzeitig in Brüssel anzukommen - gestartet war er am Montag in Fürth. Seinen elektrischen Rollstuhl hat der Schwerstkranke für die Mammuttour aufgerüstet: Am selbst gebastelten Kühlergrill ist ein Schild mit der Aufschrift "FÜ-Brüssel" angebracht. Außerdem hat Ochsler neben einem Sauerstofftank eine Wetterstation an dem Gefährt installiert. Begleitet wird der Rollstuhlfahrer von einem Freiwilligen des Roten Kreuzes mit einem Kleintransporter. Darin transportiert Student Benjamin Predel vor allem Batterien für den Rollstuhl, denn die machen alle 40 Kilometer schlapp. Außerdem sind jede Menge Ersatzteile an Bord.

Viele Batteriewechsel werden nötig sein, bis Ochsler über Würzburg, Frankfurt/Main und Bonn endlich Brüssel erreicht. Unterwegs trifft sich der ehemalige Unternehmer mit Behindertenvertretern, um sich über erfolgreiche Projekte in deren Region zu informieren. "Ich will nicht jammern und resignieren, sondern Beispiele finden, die gut laufen, und diese für die Region Nürnberg vorschlagen", erklärt Ochsler.

Der 48-Jährige weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer sich viele Behinderte und Kranke mit ihrem Handicap tun. Seit über zehn Jahren leidet er an Diabetes, im Januar stellten die Ärzte zudem Lymphdrüsenkrebs fest.

Doch das kann den Fürther nicht davon abhalten, die Idee eines Freundes umzusetzen: Durch "Rollstuhl-Langstreckenfahrten" auf öffentlichen Straßen wollen die beiden auf die Bedürfnisse Behinderter aufmerksam machen. Bereits im Juni brachen die Abenteurer trotz Abraten der Ärzte zu ihrer ersten gemeinsamen Tour auf. Im Rollstuhl ging es von Fürth nach Berlin, wo sie sich mit Bundestagsabgeordneten zum Gespräch trafen. Im Herbst soll es dann in die USA gehen - über den großen Teich bringt Ochsler jedoch ein Flugzeug. "Nur die letzten paar Meilen" von Washington zum UNO-Hauptsitz in New York will der Mann dann mit seinem Rollstuhl zurücklegen.

Aber vorerst muss er die Strecke nach Brüssel bewältigen. Blinklichter und eine Hupe an seinem Gefährt sollen für Sicherheit auf der Straße sorgen. Obwohl er bereits einige Male angefahren wurde, hat Ochsler keine Angst, dass ihm unterwegs etwas passieren könnte. "Ganz im Gegenteil", sagt der 48-Jährige: "Ich brauche das Adrenalin."

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