Ärzte Zeitung online, 27.08.2009

Leibärzte - graue Eminenzen in Weiß

HAMBURG (dpa). Meist ist er Päpsten, Kaisern, Königen und Staatsoberhäuptern vorbehalten. Manchmal haben ihn aber auch Pop- oder Wirtschaftsgrößen: einen persönlichen Leibarzt. In Zeiten von Gesundheitsreform und vollen Wartezimmern mag der rund um die Uhr verfügbare Arzt das ultimative Statussymbol sein - eine Garantie für Gesundheit ist er jedoch nicht.

So starb der "King of Pop" Michael Jackson an einer Überdosis des Narkosemittels Propofol - verabreicht von seinem Privatarzt Conrad Murray. Diesem droht nun eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung oder Totschlags.

Jacksons Ende erinnert damit auf verblüffende Weise an den Tod von Elvis Presley. Dessen massiver Medikamentenkonsum war kein Geheimnis. Sein Privatarzt George Nichopoulos verschrieb dem "King of Rock'n‘ Roll" Unmengen gefährlicher Tabletten, allein im Todesjahr 1977 sollen es mindestens 10 000 Pillen gewesen sein. Vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung wurde Nichopoulos später jedoch freigesprochen.

Leibärzte gibt es seit der Antike, viele erlangten eine besondere Vertrauensstellung. Die Anforderungen an sie sind hoch. Wer weltliche Potentaten und kirchliche Würdenträger behandelt, muss nicht nur zu den besten seines Fachs gehören, er muss auch verschwiegen sein. "Der Papst ist ein Patient von mir, und ich spreche niemals über den Gesundheitszustand meiner Patienten", sagte Renato Buzzonetti, jahrzehntelang Leibarzt der Päpste, bis er im vergangenen Juni abgelöst wurde. Persönlicher Arzt von Benedikt XVI. ist seitdem der italienische Herzspezialist Patrizio Polisca.

Nach dem Tod von Johannes Paul II. im April 2005 brach Buzzonetti sein Schweigen und wurde Co-Autor eines Buches, das die letzten Wochen des Papstes schilderte. Auch andere Leibärzte veröffentlichten Bücher über ihre berühmten Patienten. So schilderte der langjährige Leibarzt Mao Tsetungs, Li Zhisui, den chinesischen Staatschef als kaltblütigen, zynischen Psychopathen. Das Buch "Ich war Maos Leibarzt" zerstörte die Legende des gütigen und moralisch integren Staatenlenkers gründlich.

Der Leibarzt des früheren französischen Staatspräsidenten François Mitterrand durfte nicht mehr praktizieren, nachdem er Einzelheiten über dessen Prostata-Krebsleiden veröffentlicht hatte. In "Das große Geheimnis" hatte Claude Gubler enthüllt, was Mitterrand der Öffentlichkeit bis zu seinem Tod verheimlicht hatte. Dieser sei in den letzten Monaten nicht mehr in der Lage gewesen, seine Amtspflichten zu erfüllen, schrieb Gubler. Die ärztliche Schweigepflicht dürfe auch nicht unter dem Vorwand eines übergeordneten Interesses der Öffentlichkeit gebrochen werden, urteilten Richter. Gubler bekam vier Monate Haft auf Bewährung und wurde aus der nationalen Ärztekammer ausgeschlossen.

Besser erging es dem früheren Leibarzt des irakischen Diktators Saddam Hussein. Nach dessen Sturz plauderte Ala Bashir ungestraft in einem Buch über seinen Ex-Patienten - und wurde Schönheitschirurg in Oslo. Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ließ einen seiner Leibärzte, Umberto Scampagnini, zum Bürgermeister der sizilianischen Stadt Catania wählen. Scampagnini plauderte zwar über Schönheitsoperationen bei Berlusconi, pries ihn aber auch als "fast unsterblich".

Dem Leibarzt von Bayernkönig Ludwig II. wurde sein Beruf zum Verhängnis. Am Abend des 13. Juni 1886 ertranken der entmündigte König und Professor Bernhard von Gudden im Starnberger See. Nach offizieller Version wollte von Gudden den Regenten am Freitod hindern und wurde dabei von Ludwig unter Wasser gezogen. Ein grauenvolles Ende nahm Johann Friedrich Struensee, 1768 zum Leibarzt des geisteskranken dänischen Königs Christian VII. ernannt. Der aus Halle/Saale stammende Struensee wurde Geliebter von Königin Caroline Mathilde. Zu Macht und Einfluss gelangt, setzte er massiv aufklärerische Reformen durch. 1772 wurde Struensee gestürzt, enthauptet und gevierteilt.

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