Ärzte Zeitung online, 31.08.2009

"Bypass-Torero" feiert mit 67 sein Comeback

MADRID (dpa). Frank Evans ist nicht so, wie man sich einen Torero vorstellt. Er ist kein junger Mann, sondern ein älterer Herr mit schütterem Haar. Er trägt eine Knieprothese und einen vierfachen Bypass, er ist 67 Jahre alt und stammt aus Großbritannien. Nach einer vierjährigen Zwangspause feierte der einzige britische Stierkämpfer der Welt nun sein Comeback in der Arena von Benalmádena an der Costa del Sol.

Der fünffache Großvater aus Salford bei Manchester tötete zwei Kampfstiere und wurde vom Publikum mit "olé"-Rufen gefeiert. Als Anerkennung sprach die Jury ihm je ein Ohr eines jeden Stiers zu.

Evans, von Spöttern auch als "Bypass-Torero" bezeichnet, lässt Bedenken wegen seines Alters nicht gelten. "Die Stiere sehen nicht in meine Geburtsurkunde", sagte er der Zeitung "The Times". "Ich bin fit und kann sprinten. Außerdem kommt es auf den Verstand an. Der Matador muss den Stier austricksen, denn das Tier ist physisch haushoch überlegen." Der Metzgersohn hatte vor vier Jahren seine Karriere für beendet erklärt. Beim Rugby hatte er sich das Knie verletzt und musste sich operieren lassen. 2007 stellten Ärzte bei einer Routine-Untersuchung ein Herzleiden fest und setzten einen vierfachen Bypass ein.

Später bedauerte Evans seinen Rücktritt und begann, sich mit Kämpfen gegen Jungstiere auf seine Wiederkehr vorzubereiten. Der Schauplatz des Comebacks war die kleine Arena im Badeort Benalmádena, die überwiegend von britischen Urlaubern und einheimischen Rentnern besucht wird. "Was Evans geboten hat, war mehr als beachtenswert", vertraute ein fachkundiger Zuschauer dem "Guardian" an. "Vor dem Todesstoß musste er allerdings eine kleine Pause einlegen."

Seine Liebe zum Stierkampf hatte der Brite auf einer Spanien-Reise im Jahr 1963 entdeckt. Er besuchte eine Stierkämpfer-Schule in Valencia und stand 1966 in Montpellier erstmals in einer Arena. Dies hatte er allerdings einer Verwechselung zu verdanken. Der Veranstalter in Südfrankreich hatte eigentlich einen anderen Engländer namens Henry Higgins verpflichten wollen, der ebenfalls unter dem Künstlernamen "El Inglés" (Der Engländer) auftrat. 1991 wurde Evans mit 49 Jahren in den höchsten Stand des "Matadors" erhoben. In diesem Alter haben spanische Stierkämpfer ihre Karriere normalerweise längst beendet.

Der Torero lebt in Marbella in Südspanien, aber er ist doch ein Brite geblieben. Er spricht Englisch mit dem typischen Akzent aus der Gegend von Manchester, er liebt "fish and chips" und interessiert sich brennend für die Rugby-Liga. Allerdings hat er für die - in seiner Heimat verbreiteten - Bedenken von Tierschützern gegen den Stierkampf nichts übrig. "Die Art und Weise, in der Mastrinder bis zur Schlachtung gehalten werden, ist viel grausamer als der Stierkampf", meint er. "Ich denke allerdings, dass man unfähigen Toreros, die einen Stier nicht mit dem ersten Degenstich töten können, das Handwerk legen sollte."

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Panorama (30506)
[14.09.2009, 18:22:08]
Gabriele Wagner 
Eindeutige distanzierte Haltung vermisst
Eine Frau oder ein Herr Landesberger aus Dachau schickte uns den folgenden Kommentar per E-Mail:

Ich vermisse Ihre eindeutige distanzierte Haltung gegenüber diesem widerwärtigen Abschlachten zur Belustigung.
Der Stierkampf ist einer der hinterhältigsten Tierquälereien, welche schnellstmöglich abgeschafft werden muss!
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