Ärzte Zeitung online, 01.09.2009

Verkehrsunfall-Studie: Land gefährlicher als Stadt

DORTMUND (dpa). Bewohner von Großstädten werden bei Verkehrsunfällen erheblich seltener schwer verletzt als Umlandbewohner. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie der Technischen Universität Dortmund. Grundlage der Studie waren Unfallzahlen aus Niedersachsen.

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Erstmals wurden dabei nicht die Unfallorte, sondern die Wohnorte der Verunglückten analysiert. Die Ergebnisse der Untersuchung gelten nach Angaben der Wissenschaftler bundesweit.

Die Verkehrsforscher Professor Christian Holz-Rau und Joachim Scheiner fanden heraus: Für die Bevölkerung von dicht besiedelten Umlandkreisen großer Städte liegt das Risiko eines tödlichen Unfalls um etwa 40 Prozent höher als für die Stadtbevölkerung. Für Bewohner des ländlichen Raums bestehe sogar ein doppelt bis dreimal so hohes Risiko, im Straßenverkehr zu sterben.

Ähnlich verhalte es sich bei Unfällen mit schweren Verletzungen. Das Risiko einer schweren Verletzung ist demnach in ländlichen Kreisen um rund 70 bis 100 Prozent höher als in Großstädten. Als Schwerverletzte zählen in der Unfallstatistik alle Personen, die stationär im Krankenhaus behandelt wurden.

Die größere Sicherheit in der Stadt gelte für alle Altersgruppen, so die Forscher. Bereits bei den Kleinsten sei das Risiko eines tödlichen Unglücks in ländlichen Kreisen rund drei bis fünf Mal so hoch wie in der Stadt. "Die hohen Geschwindigkeiten und riskante Überholmanöver auf den Landstraßen treffen nicht nur die Fahrer, sondern alle, die im Wagen sitzen", sagte Scheiner.

Bei jungen Erwachsenen explodiere das Unfallrisiko im ländlichen Raum: In den ländlichen Kreisen sei es um das 10- bis 20- fache höher als in Großstädten. "Mit 18 steht bei vielen jungen Erwachsenen auf dem Land das Auto vor der Tür, sie legen damit vergleichsweise weite Strecken zurück - da steigt das Risiko zu verunglücken zwangsläufig." Auch die verhängnisvollen nächtlichen Disko-Fahrten forderten ihren Tribut, so Holz-Rau.

Lediglich das Risiko einer leichten Verletzung ist laut der Studie für Großstadtbewohner etwas höher als für die Bevölkerung kleinerer Gemeinden. Scheiner sieht darin den Grund für das negative Image der Städte, denn Unfälle mit leichten Verletzungen sind um ein Vielfaches häufiger als Unfälle mit schweren Verletzungen oder gar Todesfällen. "Die hohe Gesamtzahl der städtischen Unfallopfer ergibt sich vor allem aus vielen nur leicht verletzten Menschen."

Für die Studie untersuchten die Forscher die Unfallzahlen der Jahre 2006 bis 2008 in Niedersachsen.

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