Ärzte Zeitung online, 04.09.2009

Belohnung bringt mehr als Bestrafung

WASHINGTON (dpa). Belohnung für soziales Verhalten in einer Gruppe lohnt sich für alle Beteiligten mehr als Strafen für einzelne Egoisten. In einem spielerischen Experiment mit konstanten Teilnehmern zahlt sich die Belohnung der Mitspieler insgesamt aus, auch wenn sie etwas kostet.

Praktische Bedeutung könnte das bei der Abfallreduzierung in Wohngegenden, freiwilligen Arbeiten im Stadtrat oder der Freiwilligen Feuerwehr haben, berichten Forscher der amerikanischen Harvard-Universität (Science online vorab; Fachartikelnummer: DOI 10.1126/science.1177418).

Das "Public Goods Game" ist eine Standardmethode der Verhaltensforschung. Dabei kann jeder aus einer Gruppe von Mitspielern entscheiden, welchen Betrag er in einen gemeinsamen Topf geben will, der schließlich gleichmäßig verteilt wird. Bei ständig wechselnden Teilnehmern hat ein knauseriger Mitspieler hier deutliche Vorteile.

Forscher um Dr. David Rand von der Harvard Universität in Cambridge (USA) veränderten nun die Bedingungen. Sie ließen 48 Gruppen von je vier Studenten anonym am Computer mehrmals gegeneinander spielen. Die Teilnehmer leisteten zunächst einen Beitrag für den einen imaginären gemeinsamen Pott. Danach konnten sie Mitspieler in einzelnen Gruppen gezielt für deren jeweiligen Beitrag belohnen, bestrafen oder zwischen beiden Möglichkeiten wählen. Sowohl die Belohnung als auch die Bestrafung kostete den Beurteiler eigene Geldeinheiten.

Das Ergebnis spricht eindeutig für die Belohnung, berichten die Forscher: Der mittlere Gewinn für alle war bei Belohnung deutlich höher als bei Bestrafungen. Interessant war, dass im Laufe der Experimente die Zahl der Belohnungen bis auf 80 Prozent anstieg.

Das Experiment sei ein passendes Modell für viele Alltagssituationen, bei denen Menschen Taten für die Allgemeinheit mit ungewissem persönlichen Vorteil gegen den direkt lohnenden Egoismus abwägen, schreiben die Forscher. Es zeige deutlich, wie positive Verstärkung durch Belohnungen soziales Verhalten stabilieren könne.

Zum Abstract: Geben Sie auf http://dx.doi.org/ die DOI-Nummer 10.1126/science.1177418 ein.

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