Ärzte Zeitung online, 11.09.2009

Gen-Leinsamen in Backwaren - Verbreitung unklar

HAMBURG/BERLIN (dpa). Genmanipulierter Leinsamen ist inzwischen in mehreren Bundesländern aufgetaucht. Greenpeace entdeckte Gen-Leinsamen in Brötchen, Müsli und Backmischungen in Hamburg, teilte die Umweltschutzorganisation am Freitag mit.

Die Lebensmittel seien am Mittwoch stichprobenartig in Super- und Drogeriemärkten gekauft und von einem Speziallabor untersucht worden. Der Leinsamen aus Kanada ist in der EU weder zum Anbau noch als Lebensmittel zugelassen. Prüfer hatten ihn zuvor in Baden-Württemberg entdeckt. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) hatte gefordert, diese Ware sofort aus den Regalen zu nehmen.

Bisher ist noch unklar, in welchen Bundesländern der gentechnisch veränderte Leinsamen verkauft wurde. Derzeit nehmen die Länder dies unter die Lupe. Sie sind für Lebensmittelkontrollen zuständig. Die Prüfer in Baden-Württemberg hatten die Proben im Bäckereigroßhandel, im Einzelhandel und in Drogeriemärkten erhoben. Leinsamen ist in Lebensmitteln wie Backwaren oder Müsli enthalten.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnte vor der Verbreitung gentechnisch veränderter Organismen durch die Hintertür. "So lange die Risiken von gentechnisch veränderten Sorten nicht geklärt und ausgeschlossen sind, lehnen wir jedweden Anbau und Handel ab", sagte NGG-Vorsitzender Franz-Josef Möllenberg. Er forderte verstärkte Kontrollen und mehr Transparenz.

Greenpeace verlangte erneut ein weltweites Verbot für den Anbau genveränderter Pflanzen. Die entdeckte Gen-Leinsaat CDC Triffid enthalte ein Resistenz-Gen gegen das Antibiotikum Kanamycin. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Resistenz auf Bakterien übertragen wird. Eine solche Übertragung gefährde die Wirksamkeit des Antibiotikums auch beim Menschen. Allein 2006 wurden laut Greenpeace 600 000 Tonnen Leinsamen in die EU importiert, rund 70 Prozent davon aus Kanada. Der in Kanada entwickelte Gen-Lein werde dort seit 2001 offiziell nicht mehr angebaut.

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