Ärzte Zeitung online, 15.09.2009

Günther Fielmann - ungekrönter Brillen-König

HAMBURG (dpa). Ein Synonym für Brille?: "Fielmann". (K)ein Scherz. Wenn fast jede zweite in Deutschland verkaufte Brille aus der gleichnamigen Filialkette stammt, vergeht manchem Konkurrenten von Günther Fielmann schon mal das Lachen. Der Gründer der Optikerkette, der an diesem Donnerstag (17.9.) 70 Jahre alt wird, hat der Branche mit seinem unaufhaltsamen Aufstieg seit 1972 das Fürchten gelehrt.

"Die Preise der Optiker waren einheitlich hoch und die Kassenbrillen zeitlos hässlich. Ich habe mir gesagt: Das kann man auch anders machen." Schöne Kassenbrillen sollten Fielmanns Verkaufsschlager werden.

1972 eröffnet Fielmann - bestens ausgebildet als Augenoptiker - sein erstes Geschäft in Cuxhaven. Von der Küste aus erobert der Schleswig-Holsteiner Jung‘ (geboren in Stafstedt bei Rendsburg) die Republik, überzieht das Land mit einem Filialnetz. Weit über 500 sind es mittlerweile in Deutschland, auch in Nachbarländer stößt Fielmann allmählich vor, so auch in die Schweiz und nach Österreich. 6,1 Millionen Brillen wurden 2008 verkauft.

"Die Lust an der Pflicht", übernommen vom Vater, treibt den Unternehmer an. Mit modischen Kassenbrillen zum Nulltarif sagt er der Branche den Kampf an, wirbt mit eingängigen Slogans wie "... und Papi hat keinen Pfennig dazubezahlt". Er schließt 1981 einen Sondervertrag mit der gesetzlichen Krankenkasse AOK, damit sich die Versicherten schickere Fassungen auf Rezept aussuchen können. Schießen Gesundheitsreformen quer, verblüfft Fielmann die Konkurrenz mit der nächsten Idee, beispielsweise 2004 mit der Nulltarif-Versicherung.

Statt branchenüblichen Gewinnen von einst bis zu 300 Prozent gab sich Fielmann mit einem Bruchteil zufrieden - und gewinnt Marktanteile. Zum Ärger der Wettbewerber, die mit Klagen zurückschlagen, ihm Wettbewerbsverstöße und Qualitätsmängel vorwerfen. Vergebens. "Wer Erfolg hat, darf keinen Beifall erwarten." Den bekommt Hauptaktionär Fielmann (direkter Anteil 36,8 Prozent) von Aktionären (Streubesitz 29 Prozent) für eine Dividende von 1,95 Euro je Anteilsschein (2008) und von der Börse, die nach 15 Jahren Marktpräsenz das Wertpapier Anfang 2009 in den MDAX hochstuft. Ein Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro und zumeist stattliche Gewinne krönen das Lebenswerk des Brillenkönigs.

Aber auch Menschen auf dem Lande freuen sich über den Erfolg des Unternehmers. "Früher war hier gar nichts los, wir haben Herrn Fielmann viel zu verdanken", sagte eine Frau unlängst in Plön, dem schleswig-holsteinischen Städtchen, dem Fielmann neuen Glanz verlieh. Er erwarb und restaurierte das Schloss, baute es zu einer Akademie aus und lässt dort junge Menschen zur Optikern ausbilden. Rund 2200 Auszubildende beschäftigt Fielmann selbst im Konzern, mehr als 12 000 Mitarbeiter sind es insgesamt.

Überhaupt sind Land und Natur ein Faible des Brillenträgers. Vier landwirtschaftliche Bio-Höfe werden von ihm betrieben; Rinder und vor allem Kärntner Brillenschafe haben es ihm angetan. Eine Verbindung von Mensch und Natur knüpft er auch, indem er für jeden Mitarbeiter jedes Jahr einen Baum pflanzt, bis heute sind es eine Million. An ein Aufhören im Unternehmen denkt Fielmann noch nicht, auch wenn mit seinem 20 Jahre alten Sohn (und einer 15 Jahre alten Tochter) ein Nachfolger bereitsteht.

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