Ärzte Zeitung, 23.09.2009

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Die richtige Partei macht Patienten und Ärzte glücklich - eine Satire

Sie als Leser haben bei der Bundestagswahl die Chance, genau die Partei zu wählen, die das deutsche Gesundheitswesen mit klugen Entscheidungen in eine goldene Zukunft führt. Dazu müssen Sie allerdings wissen, was die Parteien eigentlich wollen. Wir verraten es Ihnen - mit einem satirischen Augenzwinkern.

Von Gregor Mothes

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Glückliche Menschen im Gesundheitswesen - davon träumt Deutschland.

Foto: carlosseller©www.fotolia.de

Kaum ist um Schmidts Ulla, Gesundheitsfonds & Co. mal ein wenig Ruhe eingekehrt, da gibt es schon wieder Bundestagswahlen. Gerüchten zufolge soll danach im Gesundheitswesen kein Stein auf dem anderen stehen bleiben: Die SPD möchte die Bürger gegen Kopfpauschalen versichern, die die CDU auf jeden Patienten angesetzt hat, die FDP will individuell zusammenstellbare Privatversicherungspakete, die von Hausrat bis Zahngold alles anbieten; die Linkspartei plant, die Bevölkerung gegen Neoliberalitis durchzuimpfen und die Grünen fordern ein Verbot von Röntgenstrahlung. Doch stimmt das alles überhaupt? Und falls nein, werden die Parteien es trotzdem durchsetzen?

Die "Ärzte Zeitung" hat sich ins Politikermilieu gewagt und herausgefunden: Wer dort herumschnüffelt, dem vergeht Hören und Sehen!

Das wollen die Parteien

  • CDU / CSU Die Union hat zur Gesundheitspolitik noch mehrere Asse im Ärmel, möchte ihre Ziele aber erst nach der Wahl bekannt geben. Vorerst heißt das Motto "Wir haben die Kraft", ein Slogan, der suggeriert, dass zumindest die Mitglieder der CDU über eine stabile Gesundheit verfügen. Gerüchten zufolge sollen sie dafür im Falle eines Wahlsieges eine saftige Gesundheitsprämie erhalten. Hauptproblem der Union: Die einstig geforderte Kopfpauschale reicht offenbar nicht aus, da niemand über derartig viele Köpfe verfügt, um die gewaltigen finanziellen Aufgaben der Zukunft zu "schultern".
  • SPD Das wichtigste gesundheitspolitische Ziel der SPD ist es, dass Ulla Schmidt im Amt bleibt und ihren Dienstwagen behalten darf. Zur Not würde man sie dafür sogar in die CDU schicken. Mit Schmidt im Ministerium möchten die Sozialdemokraten dann ihre "Bürgerversicherung" einführen: Jedem Bürger wird versichert, dass Ulla Schmidt vier weitere Jahre Gesundheitsministerin bleibt und die Kosten für ihre Dienstfahrten auf stabilem Niveau steigen. Die Restkosten (z.B. Gesundheitswesen), werden über saftige Steuererhöhungen und Senkungen im Sozialhaushalt (ALG III) finanziert.
  • FDP Die FDP würde auf Gesundheitspolitik am liebsten ganz verzichten. Da es ohne aber nun mal nicht geht, will sie zumindest erst einmal den Gesundheitsfonds abschaffen. Das Allheilmittel der Liberalen ist seit Jahren bekannt: Steuersenkungen und gesunde Jungunternehmer mit genügend Asche, um sich ihre Gesundheits- und Wellness-Versicherung selbst zusammenzustellen. Das Motto der FDP zur Bundestagswahl: Lieber reich und gesund als arm und krank!
  • GRÜNE Aus Einkünften von Miet- und Pachtverträgen soll eine weitere Säule zur gesetzlichen sogenannten "Grünen Bürgerversicherung" entstehen. Ob sie aber zur grünen Siegessäule werden kann, ist mehr als ungewiss. Deshalb sind auch nicht alle für das "Zwei-Säulen-Modell", sondern für die herkömmliche Einsäulenlösung. Wieder andere fordern sogar drei Säulen. Der Streitpunkt ist nun, ob Säulen überhaupt das richtige Mittel sind, um die Klimabilanz zu sichern. Kritiker beklagen, dass sie vor lauter Säulen gar keinen Wald mehr sehen.
  • LINKE Die Linkspartei verspricht im Falle eines Wahlsieges Gesundheit, Glück und beruflichen Erfolg für alle. In einem Fünfjahresplan sollen die Volkskrankheiten auf Null reduziert und die Gesundheitsausgaben so auf die gleiche Summe gesenkt werden. Das Geld dafür kommt von den Reichsten der Reichen, insbesondere von Guido Westerwelle und der Ärzteschaft aus Baden-Württemberg.

Das werden die Parteien durchsetzen

  • rot/grün Ulla Schmidt bleibt Gesundheitsministerin und darf ihren Dienstwagen behalten. Die Bürgerversicherung geht als Zwei-Säulen-Modell in Serie (Rote Säule: jährlich stabil steigende Beiträge, grüne Säule: Zusatzbeiträge aus Ökosteuererhöhung, Benzinpreiserhöhung, Mehrwertsteuererhöhung u.v.m.). Zudem wird ab 2011 das Einwegspritzenpfand eingeführt.
  • rot/rot/grün Das Gleiche wie Rot Grün in Rot Rot Grün, dazu verteilt die Linkspartei kostenlos Bonbons.
  • große Koalition Wenn die Union Glück hat, wird die sogenannte "Große Koalition" mit Juniorpartner SPD keine Minderheitsregierung. Neben Steinmeier als Außenminister wird die SPD mit ihren elf Prozent höchstens noch zwei Ministerien besetzen. Das wichtigste Signal: Ulla Schmidt bleibt im Amt und darf ihren Dienstwagen behalten. Der Gesundheitsfonds bekommt eine zweite Chance und wird mit mehreren Milliarden Euro (Mehrwertsteuererhöhung) gefördert. Das Motto der großen Koalition bleibt weiterhin: "Sozial ist, was Arbeit macht".
  • Ampel Aufgrund der Differenzen zwischen SPD und FDP wird es, wenn überhaupt, höchstens eine Fußgängerampelkoalition geben. Sollte es doch zur richtigen Verkehrsampelkoalition kommen, wird sie vier Jahre auf Rot stehen.
  • Jamaica Selbstzahler erhalten Beruhigungsmittel und Sterbehilfe, dabei wird auf die sachgerechte Entsorgung der verwendeten Materialien geachtet. Kliniken mit hoher Fluktuation an Mikroorganismen werden unter Naturschutz gestellt (Jamaika-Artenschutz-Durchsetzungsgesetz, JamArtSchtzDrsG)
  • schwarz/gelb Die Praxisgebühr wird verdreifacht, kann aber ab einem monatlichen Einkommen von 6500 Euro steuerlich abgesetzt werden. Die Umlagefinanzierung wird abgeschafft, andere Finanzierungen ebenso, stattdessen wird pauschal pro Kopf an die Selbstzahler appelliert. Soziale Härtefälle erhalten eine Basisversorgung an Beruhigungsmitteln, wer dann immer noch aufmuckt, wird eingewiesen. Absolut Unbeugsame können sogar ausgewiesen werden. Zudem bringt die FDP das Thema aktive Sterbehilfe wieder auf die Tagesordnung.

Das sagt Karl Lauterbach

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"Ich will ihnen eines sagen: Noch so ein Sommerloch wie dieses kann sich weder das deutsche Gesundheitswesen noch ich selbst länger leisten. Zwei Monate lang fast keine einzige Talkshow, das ging schon so weit, dass ich fürs Fernsehen ein Praktikum im Krankenhaus machen sollte. Und ich habe es gemacht, für alle, die es nicht sehen konnten, möchte ich es nur ungern wiedergeben. Ich kann nur sagen: Passieren mehr Fehler, gibt es mehr Redebedarf, das muss man einfach auch sagen können. Insofern: Wahlkampf Alaaf!"

[23.09.2009, 09:49:20]
Margarita Moerth 
Lachhaft
Gesundheitspolitik und Lachen, das passt irgendwie nicht zusammen.
Umso mehr gebührt Ihnen Dank für den mutigen Versuch,dem deutschen Gesundheitswesen heitere Seiten abzugewinnen.
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