Ärzte Zeitung online, 16.09.2009

Psychoanalyse verändert Hirnaktivität

INNSBRUCK (dpa). Hirnforscher haben erstmals die Wirkung der Psychoanalyse bei depressiven Menschen mit Bildern vom Gehirn dokumentiert. "Auch wenn wir erst am Anfang stehen, zeigen die ersten Befunde, dass der Erfolg der Therapie beim Patienten messbar ist", sagt Professor Anna Buchheim, Psychologin an der Universität Innsbruck.

Die Wirksamkeit der Psychoanalyse sei zwar längst belegt. Dass die Therapie aber tatsächlich biologische Prozesse im Gehirn konkret beeinflusst, sei bisher ohne Beweis gewesen. "Die Zusammenarbeit der Psychoanalytiker und Hirnforscher beginnt erst", sagte Buchheim im Gespräch mit der dpa.

Für die Studie wurden 20 Depressive aus Bremen zum Anfang ihrer Therapie in einen Magnetresonanztomografen (MRT) gelegt, der die Aktivität ihrer Gehirne sichtbar macht. "Wir zeigten ihnen individuell auf ihr Krankheitsbild zugeschnittene Reize", sagte Buchheim. Das seien zum Beispiel Bilder oder Schlüsselsätze gewesen, die die Patienten mit ihren unbewussten Konflikten konfrontierten. Nach 7 und nach 15 Monaten wurde die MRT-Untersuchung wiederholt.

Ergebnis: Zu Anfang der Behandlung war die Aktivität in Regionen des Gehirns, die für Ängste und Furcht zuständig sind, viel höher als bei den späteren Messungen. "Schon nach sieben Monaten war eine deutliche Minderung dieser Hyperaktivität zu beobachten", berichtete Buchheim.

Bei der Studie arbeiten Wissenschaftler aus Bremen, Heidelberg Innsbruck, Kassel, Magdeburg und Ulm zusammen. Erste Ergebnisse hatte Buchheim, die das Wissenschaftsteam leitet, am Wochenende in Frankfurt am Main präsentiert.

Zwar seien Depressionen viel zu komplex, als dass ihre Erklärung auf die Aktivität von Gehirnregionen beschränkt werden könne, erläuterte Buchheim. "Aber vielleicht ist es eines Tages möglich, dass Analytiker ihre Therapien mithilfe der Hirnforschung optimieren." Die Schnittstelle zwischen Neurowissenschaft und Psychoanalyse biete großes Forschungspotenzial.

Zunächst gelte es jedoch zu klären, ob der Behandlungserfolg auch langfristig nachgewiesen werden kann. "Im Moment stecken wir noch in der Auswertung der dritten Messung nach 15 Monaten." Noch sei unklar, ob die 20 Patienten noch einmal zu einem späteren Zeitpunkt der Langzeittherapie im MRT untersucht werden können.

[24.07.2012, 12:11:42]
Dr. Dunja Voos 
Psychoanalyse tut gut
Gute Nachrichten zum Thema Psychoanalyse - endlich, nachdem in den Diskussionen um die "evidenzbasierte Medizin" die Psychoanalyse oft zu kurz kam. Wer eine Psychoanalyse oder psychoanalytische Therapie beginnen möchte, steht vor vielen Fragen. Für diese Menschen habe ich ein einfach verständliches Buch geschrieben, das diese Therapieform näher erklärt: "Psychoanalyse tut gut - ein Ratgeber für Hilfesuchende". Mehr Informationen hier: http://www.medizin-im-text.de/blog/2012/15555/psychoanalyse-tut-gut/ zum Beitrag »

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