Ärzte Zeitung, 20.09.2009

Tod nach Psychotherapie

Berliner Arzt vergiftet Patienten bei einer Sitzung

BERLIN (ars/dpa). Ein Allgemeinarzt und Psychotherapeut hat in Berlin bei einer Therapiesitzung am Samstag zwölf Patienten vergiftet. Zwei sind danach gestorben, ein weiterer liegt im Koma, seine Überlebenschancen seien schlecht, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage am Sonntagmittag. Neun Patienten konnten die Klinik mittlerweile wieder verlassen.

Der 50 Jahre alte Arzt wurde festgenommen, er hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft eingeräumt, den Opfern Substanzen verabreicht zu haben. Es handle sich um Tabletten mit einem bisher unbekannten Wirkstoff, die das Bewusstsein erweitern sollten, so der Polizeisprecher. Der Arzt hatte im Stadtteil Hermsdorf eine Praxis für Psychotherapie. Dort bot er Suchttherapie, "tiefenpsychologisch fundierte Einzel- und Gruppentherapie" und "Hilfe bei spirituellen Krisen" an. Dabei wendete er laut Praxisschild auch das Verfahren der Psycholytischen Einzel- und Gruppentherapie an.

Ein Teilnehmer der Sitzung hatte am Samstagnachmittag per Handy die Feuerwehr alarmiert, die wiederum die Polizei verständigte. Mehrere Notärzte und Sanitäter kümmerten sich um die Vergifteten und mussten einige von ihnen wiederbeleben. Gegen 19.30 Uhr traf die Mordkommission ein und übernahm die Ermittlungen. Ein 59-jähriger Mann starb am Samstagnachmittag. Ein 28-Jähriger starb am Abend im Krankenhaus. Er hatte zuvor im Koma gelegen.Die Ermittler gehen aber nicht davon aus, dass der Mann vorsätzlich jemanden töten wollte.

Lesen Sie dazu auch:
Psychotherapie: Nur drei von 250 Verfahren sind zugelassen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Kompromissvorschlag wieder zurückgezogen

Kaum verkündet, ist der Kompromiss zur Pflegeausbildung auch schon wieder vom Tisch. Die genauen Gründe sind unklar. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »