Ärzte Zeitung online, 29.09.2009

Kardinal Lehmann ruft zur Organspende auf

GÖTTINGEN (dpa). Der Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, hat die Bevölkerung zur Organspende aufgerufen. Es sei eine edle und verdienstvolle Tat sowie ein Akt der christlichen Nächstenliebe, nach dem Tod Organe zu spenden.

Er befürworte zudem die sogenannte Lebendspende von Nieren unter Verwandten, sagte der katholische Kirchenführer am Montag während der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Nephrologie (Nierenmedizin/DGfN) in Göttingen.

Bei seinem Appell wies der Kardinal allerdings darauf hin, dass die Organspende "keine Christenpflicht" sei. Es handele sich um eine freiwillige individuelle Entscheidung. "Sittlich unannehmbar" sei eine Organspende, wenn der Spender oder die für ihn Verantwortlichen nicht ihre ausdrückliche Zustimmung gegeben hätten. Nach Angaben des DGfN-Vorstandsvorsitzenden Professor Reinhard Brunkhorst (Hannover) warten bundesweit derzeit allein rund 15 000 Menschen auf eine Spenderniere. Die durchschnittliche Wartezeit betrage mehr als sieben Jahre. Wegen der steigenden Zahl schwer kranker Nierenpatienten werde das Thema Organspende weiter an Bedeutung gewinnen.

Derzeit seien in Deutschland pro Jahr etwa 16 000 Menschen neu von unheilbaren chronischen Nierenerkrankungen betroffen. Ihnen könne nur noch durch Dialyse oder eine Transplantation geholfen werden. Dies seien etwa 30 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren, sagte Brunkhorst. Und die Tendenz sei weiter steigend.

Verursacht werde die chronische Nierenerkrankung vielfach durch die Volkskrankheiten Diabetes und Bluthochdruck. Ein Problem sei, dass Allgemeinärzte und auch viele Internisten zu wenig über Nieren-Erkrankungen wüssten, sagte Brunkhorst. Deshalb kämen Patienten oftmals erst sehr spät in die Obhut der Nephrologen. Hier wolle die DGfN in den kommenden Jahren massive Aufklärungsarbeit leisten.

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