Ärzte Zeitung online, 01.10.2009

Hilfsorganisationen: Größtes Problem ist die Zeit

HAMBURG/BONN (dpa). Zahlreiche Hilfsorganisationen sind bereits auf dem Weg ins Erdbebengebiet nach Sumatra, unter ihnen auch mehrere Bündnispartner der Aktion Deutschland Hilft (ADH). Unter dem Dach der Organisation arbeiten insgesamt 17 deutsche Hilfsorganisationen. Mehrere von ihnen sind schon seit dem verheerenden Tsunami von 2004 und dem letzten Erdbeben am 2. September in Indonesien engagiert. Im Interview mit der dpa schildert ADH-Geschäftsführerin Manuela Roßbach aus Bonn die Probleme des Großeinsatzes.

Es gibt in dieser Region immer wieder Katastrophen - macht das den Helfern die Arbeit nicht schwerer?

Roßbach: "Nein es ist wirklich leichter. Es ist natürlich tragisch für die Betroffenen, das muss man ganz deutlich sagen. Aber für uns ist es so, dass die Helfer dann relativ zügig an den Ort des Geschehens kommen können. Wir hatten verschiedene Organisationen wie World Vision, Care, ADRA, Malteser Help in Banda Ache, also oben im Norden von Sumatra. Aber auch auf Java waren ASB, Malteser und unsere Organisation vertreten. Und jetzt werden Sie sozusagen von zwei Seiten, nämlich einmal vom Norden und einmal von Java aus in die Region kommen."

Was ist das Schwierigste in dieser Situation?

Roßbach: "Die Zeit. Gerade bei einem Erdbeben mit Häusern, die zusammengebrochen sind, ist es ganz wichtig, dass man zeitkritisch und schnell agieren kann und weiß, wie man Steine beiseite räumt und wo sich Menschen aufhalten können. Man braucht Erfahrung, was bei einem Erdbeben passieren kann und wie man dann auch die Personen mit den entsprechenden Hilfsmitteln rausholen kann. Bei einem Erdbeben ist es häufig so, dass man viele Knochenbrüche hat oder Prellungen. Verletzungen, die medizinisch versorgt werden müssen. Und - das vergessen wir häufig - dafür sind auch einheimische Mediziner ganz wichtig, die traumatischen Verletzungen zu behandeln."

Wie funktioniert die Zusammenarbeit unter den Organisationen, insbesondere aber mit den einheimischen Hilfsorganisationen?

Roßbach: "Wir haben gestern kurz nach 18.00 Uhr eine Telefonkonferenz geschaltet mit allen unseren Mitgliedsorganisationen, die vor Ort sind. Das funktioniert hervorragend untereinander hier in Deutschland. Wir tauschen dann ganz schnell die ersten Informationen aus, sagen wer wo ist, wer wie schnell wo hin kann, sodass jeder von den Beteiligten weiß, wer wo ist. Im nächsten Schritt können wir dann heute sehen, welche lokalen Mitarbeiter mobilisiert werden können und sind dann sehr schnell einsetzbar. Für die Aktion Deutschland Hilft ist es so, dass die Koordination und Kooperation seit acht Jahren eingeübt ist."

Wie versorgen sich die Helfer selbst?

Roßbach: "In der Regel gibt es Anlaufpunkte. Ganz häufig sind es Hotels, die die Helfer beherbergen. Man trifft sich beim Frühstück oder beim Abendessen und kann sich auch austauschen. Und kann dann auch kurz kommunizieren, da kommen wir hin, da waren wir schon, da braucht ihr nicht hin."

Die Helfer sehen schreckliche Szenen. Gibt auch eine Betreuung für sie?

Roßbach: "Ich weiß, dass unsere Organisationen zunehmend auch eine psychologische Nachbetreuung machen. Wenn wir selbst als Aktion Deutschland Hilft schon mal jemanden raus schicken - wir sind ja nicht operativ tätig, aber gerade für die Berichterstattung - dann biete ich den Leuten immer an, dass sie sich hinterher mit einem ausgebildeten Arzt oder Psychologen treffen können, um die Sachen besprechen zu können. Das muss sein, man braucht eine Nachbesprechung."

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