Ärzte Zeitung online, 05.10.2009

Frauenzeitschrift "Brigitte" ohne Mager-Models

HAMBURG (dpa). Aus der Diskussion um zu magere Models auf den internationalen Laufstegen zieht die Frauenzeitschrift "Brigitte" ihre Konsequenz: Sie präsentiert Mode, Kosmetik und Fitnessprogramme vom nächsten Jahr an nicht mehr mit professionellen Models, sondern mit Frauen, "die mitten im Leben stehen". Das kündigten die Chefredakteure Andreas Lebert und Brigitte Huber am Montag in Hamburg an.

"Wir machen ein Blatt für Frauen, wie sie sind, und nicht wie andere sie gerne hätten", sagte Lebert. Neben Musikerinnen, Schauspielerinnen oder Politikerinnen sollen auch Leserinnen auf jährlich rund 1500 Seiten - und gegen Honorar - in den Heften und für die Internet-Auftritte abgelichtet werden.

Mit der Entscheidung, dürren Models mit Kleidergröße "Null" und deren Vermarktungsagenturen eine Absage zu erteilen, wollen die "Brigitte"-Chefredakteure ein Signal setzen, aber der Berufssparte nicht den Krieg erklären, wie Lebert beteuerte. Dennoch: "Es gibt ein großes Unbehagen in der Modebranche, aber der Schwarze Peter wird hin- und hergeschoben. Vielleicht muss ein Medium sagen: Wir entscheiden uns für eine andere Art der Präsentation. Wir wollten für uns Klarheit schaffen", sagte der Blattmacher. Schließlich kämen bei "Brigitte" Frauen zu Wort, die ganz andere Identitäten hätten, als die Vertreterinnen des Mager-Looks. Nur Fotostrecken der internationalen Modenschauen können ihn noch im Heft verkörpern.

Doch auch die internationalen Fashionweeks haben spindeldürren Modepuppen mittlerweile den Kampf angesagt. So verpflichteten sich vier große Verbände vor der Berliner Modewoche im vergangenen Jahr, keine Magermodels mehr für Modenschauen und Werbefotos zu engagieren. In Madrid wurde 2008 eine Untergewichtige von der Präsentation ausgeschlossen. Und die Londoner Modewoche startete jüngst eine Kampagne, um wieder mehr Weiblichkeit - mehr Konturen, verschiedene Konfektionsgrößen, alle Altersgruppen - auf die Laufstege der Haute Couture zu bringen.

"Attraktivität hat heute viele Gesichter", bekräftigte "Brigitte"-Chefin Huber. Das Modediktat sei vorbei, die Präsidentengattinnen Carla Bruni (Frankreich) und Michelle Obama (USA) prägten die Mode ebenso wie Sportlerinnen, Studentinnen oder "Frauen auf der Straße der Metropolen". "Wir wollen tolle Frauen zeigen", bekräftigte Lebert am Montag gleich mehrmals, auch wenn er weiß, was er den Fotografen mit den Amateur-Darstellerinnen zumutet: "Eingefahrene Pfade müssen verlassen werden."

"Als Fotografin sage ich, das ist fürchterlich", bekannte eine dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" (Nr.41). Und Lebert erläuterte: Die Arbeit mit nicht kameraerfahrenen Frauen bedeute mehr Zeit, mehr Aufwand. Weil die Laien "vergleichbare Honorare" wie die Profis erhalten sollen, sieht Lebert in der Umstellung keine Sparmaßnahme, eher eine Investition. Rückläufige Zeitschriftenauflagen - die "Brigitte" allein verkaufte im 3. Quartal 2009 rund 720 000 Exemplare nach rund 757 000 im Vorjahreszeitraum - und die aktuelle Werbekrise zwingen die Medienmacher zu Innovationen in ihrer Branche. Offen ist, wie Modehersteller und Anzeigenkunden auf den "Stilbruch" bei der "Brigitte" reagieren werden. Diesbezüglich gaben sich die beiden Chefredakteure gelassen. Vielleicht beruhigt sie der Gedanke, dass die Kosmetikmarke "Dove" (Unilever) für den Versuch, mehr Frau in der Werbung zu wagen, viel Zustimmung erfahren hat.

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