Ärzte Zeitung online, 09.10.2009

Wieder Angriff in U-Bahn - Fahrgast schwer verletzt

FRANKFURT/MAIN (dpa). Schon wieder ist ein hilfsbereiter Streitschlichter selbst zum Opfer geworden. In der Frankfurter U-Bahn greifen drei angetrunkene junge Frauen den 51-jährigen Mann an und verletzen ihn schwer. Und wieder eilt keiner der Augenzeugen dem getretenen Mann zu Hilfe - wie vor wenigen Wochen in München: Dort war niemand dem Geschäftsmann Dominik Brunner zur Seite gesprungen, als dieser sich schützend vor eine Gruppe Kinder stellte und von den Angreifern erschlagen wurde.

In Frankfurt bittet eine Frau am Mittwochabend mehrere Augenzeugen, dem 51-Jährigen zu helfen. Doch sie stößt auf taube Ohren und alarmiert dann die Polizei.

Dutzende Menschen verfolgen nach Angaben der Polizei die Attacke des Frauen-Trios gegen den Mann, ohne einen Finger zu rühren. Alles fängt im Feierabendverkehr in einer gut besetzten U-Bahn an. Ungefähr um 19.40 Uhr geraten die drei Frauen - 17 bis 19 Jahre alt - in heftigen Streit miteinander. Sie werden laut und handgreiflich. Als ein Fahrgast den Versuch macht zu schlichten, wendet sich die geballte Aggression des Trios gegen ihn. Er wird beschimpft und angepöbelt. Da will der 51-Jährige dem bedrängten Fahrgast zur Seite stehen und greift einem der Mädchen an den Arm. Plötzlich eskaliert die Situation: Die Frauen vergessen ihren Streit untereinander und stürzten sich auf den 51-Jährigen.

An der nächsten Station wird der Mann aus der Bahn gestoßen. Er stürzt mit dem Kopf gegen einen Mülleimer und wird so lange getreten, bis der U-Bahnfahrer hinzukommt. Die jungen Frauen flüchten, werden aber wenig später gefasst. Alle drei sind der Polizei schon früher aufgefallen - wegen Körperverletzung und wegen Drogendelikten. Eine 17-Jährige sitzt nun wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft, die anderen beiden wurden freigelassen.

Wie viele Menschen in der Bahn und auf dem Bahnsteig an der Haltestelle Augenzeugen wurden, kann die Polizei am Tag danach nicht sagen: "Beim Eintreffen mehrerer Funkstreifenbesatzungen entfernten sich die Schaulustigen", heißt es im Polizeibericht. Polizei-Vizepräsidentin Sabine Thurau sagt am Donnerstagnachmittag, es würden mehrere Zeugen vernommen. Ob ihnen ein Vorwurf zu machen sei, könne derzeit nicht gesagt werden. Zivilcourage sei gefragt, denn die Polizei könne nicht überall sein, aber niemand solle allein einschreiten: "Je mehr Menschen sich zusammentun, um dem Opfer zu helfen, desto größer ist ihre Chance."

"Drei Menschen haben das Richtige getan", sagte Kriminaldirektor Robert Schmitt. Vor allem die Frau, die mit ihrem Handy Hilfe rief, bekam Lob. "Wir erwarten von niemandem, dass er den Helden spielt", betonte Schmitt. Es komme immer wieder vor, dass angetrunkene junge Menschen aggressiv würden, aber in der Gesamtsumme seien es sehr wenige Fälle. Der tödliche Vorfall in München habe die Aufmerksamkeit erhöht.

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