Ärzte Zeitung online, 14.10.2009

Der Welt droht ein Hungerjahrhundert

BERLIN/ROM (dpa). Der Welt droht nach Einschätzung von Vereinten Nationen und Hilfsorganisationen ein Jahrhundert des Hungers. 2009 stieg die Zahl der Hungerleidenden als Folge der Weltwirtschaftskrise auf rund eine Milliarde Menschen, heißt es im neuen Welthungerbericht, den die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) am Mittwoch in Rom vorstellte.

Das sei der höchste Wert seit 1970. Die größte Not herrsche in den afrikanischen Staaten Demokratische Republik Kongo, Burundi, Eritrea, Sierra Leone, Tschad und Äthiopien, teilte die Welthungerhilfe am Mittwoch in Berlin mit.

"Das 21. Jahrhundert droht zum Hungerjahrhundert zu werden", sagte Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann. Nach den jüngsten FAO-Zahlen bekommt jeder sechste Mensch auf der Welt nicht genug zum Essen. Die meisten unterernährten und hungernden Menschen leben in Entwicklungsländern. Nach Angaben der Welthungerhilfe sind in Asien 642 Millionen Menschen betroffen, im südlichen Afrika 265 Millionen und in Lateinamerika 53 Millionen Menschen. Die FAO zählt noch 15 Millionen Betroffene in den Industrieländern dazu.

Gravierend sei die Lage vor allem in Afrika südlich der Sahara, sagte Dieckmann. Als sehr ernst schätzt sie die Situation in Südasien ein - in Pakistan, Indien, Bangladesch und Kambodscha. In Lateinamerika fällt aber nur noch Haiti in diese Kategorie. Der Welthunger-Index 2009 der Hilfsorganisation vergleicht Daten zu Unterernährung und Kindersterblichkeit aus 121 Entwicklungs- und Schwellenländern. Die Daten stammen aus dem Jahr 2007; die jüngste Preiskrise bei Lebensmitteln sei damit noch gar nicht voll erfasst, sagte Dieckmann.

Als Ursachen für Hunger nennt die Hilfsorganisation für Afrika Kriege, schlechte Regierungsführung und Aids. In vielen anderen Staaten zeige sich auch ein enger Zusammenhang zwischen Hunger und der Lage der Frauen. Sind sie sozial, politisch und wirtschaftlich benachteiligt, sei die Not im Land messbar größer, betonte Dieckmann. Sie appellierte an die Industrienationen, bei Entwicklungshilfe die Gleichberechtigung von Frauen einzufordern.

Trotz der schlechten Gesamtlage haben es Länder nach Angaben der Welthungerhilfe geschafft, Notlagen einzudämmen, darunter Kuwait, Saudi-Arabien, Tunesien, Fidschi, Malaysia, Vietnam, Nicaragua, Mexiko und Brasilien, teilte die Welthungerhilfe weiter mit. Im südlichen Afrika habe zum Beispiel Botsuana durch Bildungsprogramme für Mädchen und Frauen gewaltige Fortschritte gemacht.

 "Was fehlt, ist der politische Wille, den Hunger für immer auszumerzen", kritisierte FAO-Generaldirektor Jacques Diouf am Mittwoch in Rom. Dabei seien die technischen und ökonomischen Voraussetzungen durchaus gegeben. So wie die Mächtigen der Welt "schnell, gemeinsam und kraftvoll" auf die Weltwirtschaftskrise reagiert hätten, sei nun "derselbe starke Einsatz gefragt, um den Hunger zu bekämpfen".

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[27.07.2011, 13:47:13]
Dr. Horst Grünwoldt 
Welthunger - Hungerwelt?
Alle Alarmisten, insbesondere diejenigen der großen Internationalen Organisationen (WHO in Genf und FAO in Rom) prognostizieren uns seit Jahrzehnten "Weltseuchen" (sog. Pandemien), "Weltklima-Änderungen" (climat change) und sogar einen "Welthunger"! Das alles ist absurd, da es trotz "Globalisierung" überhaupt kein "Weltproblem", sondern immer nur regionale Krisen oder sogar Katastrophen gibt.
Es bleiben aber dauerhaft zwischen Nord und Süd gewaltige Verteilungsprobleme zum Ausgleich von Not und Hunger und zur Linderung des krankheitsbedingten Elends.

Eigentlich sollte der FAO-Boss in Rom, der Westafrikaner J. Diouf, berufen sein, nachhaltige Konzepte für die regionale Hungerbekämpfung in den Ländern südlich der Sahara zu entwickeln, falls er seine Herkunft noch nicht vergessen hat.
Stattdessen wiederholt er den Appell an die vermeintlich reichen Länder nach milliardenfachen Geldspenden.
Begünstigt ist der Norden tatsächlich wegen der fruchtbareren Böden, des gemäßigten Klimas und einer entwickelten Technologie für eine intensive Nahrungsmittel-Produktion, die zu lagerfähigen Überschüssen geführt hat.
Kann es sich die "satte Welt" noch länger leisten, "die hungernde Welt" nicht an ihren überreich gedeckten Tisch einzuladen, ohne massenhafte Migrationsbewegungen auszulösen?
Wegen erheblicher logistischer Schwierigkeiten müssen die E-Länder natürlich ihr "täglich Brot" (die Basisernährung) selbst sichern;
auch mit Hilfe von ökologischen Entwicklungs-Projekten zur Intensivierung der Subsistenz-Wirtschaft und Vorratshaltung.
Wegen der weitverbreiteten Fehlernährung und entsprechenden Mangelkrankheiten in den subsaharischen Ländern, sollte aber eine ständige Nahrungsmittel-Hilfe, z.B. mit biologisch wertvollen Einweißträgern wie Milchpulver zur Joghurt-Herstellung, möglich sein. Diese dürfen aber nicht in den örtlichen, konkurrierenden Handel gelangen, sondern müssen wohltätig und kontrolliert an öffentliche Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser etc.) abgegeben werden.
Dies geschieht leider bis heute so gut wie gar nicht.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (E- Helfer 1981-83 in Togo)

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