Ärzte Zeitung online, 16.10.2009

Pfarrer will heiraten - Suspendierung

HAMMELBURG/WÜRZBURG (dpa). Wegen Missachtung des Zölibats verliert ein katholischer Priester aus Unterfranken, der bereits ein Kind hat, sein Amt. Wie ein Sprecher der Diözese Würzburg am Freitag sagte, war der Hammelburger Pfarrer Michael Sell am Donnerstag bei Bischof Friedhelm Hofmann. Dort habe der 37-Jährige mitgeteilt, dass er das Zölibat nicht mehr leben könne und sich für ein Leben in Ehe und Familie entschieden habe.

Zuvor hatte der Priester in einem Brief seinen Gemeindemitgliedern berichtet, dass seine Lebensgefährtin ein Kind bekommen habe. Der Bischof ist nach den Vorgaben des Kirchenrechts verpflichtet, Sell von seinen Aufgaben zu entbinden - die Suspendierung folgte prompt.

Bereits im Frühjahr waren zwei Geistliche des Bistums ihrer Ämter enthoben worden, weil sie heiraten wollten. Betroffen waren damals der Pfarrer von Kitzingen sowie ein Priester aus Aschaffenburg. Die Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) wurde von der katholischen Kirche im 12. Jahrhundert durch Konzilsbeschluss eingeführt.

Sell ist sich nach Bistumsangaben bewusst, dass er bei seiner Priesterweihe die lebenslange Ehelosigkeit freiwillig versprochen hat. Die Diözese will den 37-Jährigen nun bei seinem beruflichen Neustart finanziell unterstützen.

Der Katholik stammt aus Schweinfurt und studierte in Würzburg und Innsbruck Theologie. 1999 wurde er zum Priester geweiht. Zum 1. April 2003 wurde Sell zum Pfarrer von Hammelburg-Sankt Johannes ernannt. Im Dezember 2008 kamen weitere Aufgaben hinzu, Sell war damit Pfarrer der Gemeinden der künftigen Pfarrgemeinschaft Hammelburg.

Der Tageszeitung "Main-Post" (Freitag) sagte der 37-Jährige, er könne in der Sexualität "nichts Unreines sehen, sie ist von Gott gegeben". Die Schwangerschaft sei für ihn und seine Lebensgefährtin ein Gottesurteil gewesen, "die Geburt unseres Sohnes empfinden wir als Urwunder".

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