Ärzte Zeitung online, 21.10.2009

Ärztin: Hemmschwelle zum Zuschlagen gesunken

HANNOVER (dpa). Jugendliche aus Migrantenfamilien sind nach Erfahrungen einer Therapeutin nicht aggressiver als deutsche Heranwachsende. Generell werden junge Leute aber immer gewaltbereiter, hat Türksen Tezcek-Ince in ihrer täglichen Arbeit festgestellt. "Ich sehe mehr Brutalität bei den Aktionen der Jugendlichen", sagte die Ärztin aus Hannover.

Die Hemmschwelle zum Zuschlagen sei deutlich niedriger als früher, sagte Tezcek-Ince zur dpa. Die Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie behandelt aggressive Jugendliche. Sie ist auch im Vorstand der Deutsch-Türkischen Medizinergesellschaft tätig.

Die Ärztin wendet in ihrer Arbeit unter anderem Entspannungsübungen und Rollenspiele an, um aggressive Jugendliche zu therapieren. "Es ist nicht einfach, aber häufig hilft es." Die Jugendlichen müssten in die Rolle ihrer Opfer schlüpfen, um mit ihrer Tat direkt konfrontiert zu werden.

"Jugendliche aus Migrantenfamilien sind im Vergleich zu Jugendlichen aus deutschen Familien in gleichem Maße gewalttätig", sagt Tezcek-Ince. Wichtig sei es, dass Kinder mit ausländischen Eltern sprachlich früh gefördert werden. Außerdem sollten gezielt Erziehungsberatungen durchgeführt werden - und zwar in der jeweiligen Muttersprache.

Tezcek-Ince sieht in mangelnden Deutschkenntnissen einen der Hauptgründe für Gewaltbereitschaft bei Jugendlichen aus Migrantenfamilien. "Dadurch kommt es oft zu einer Ghettoisierung, wo es gehäuft zu gewalttätigen Aktionen kommt", sagt die Ärztin.

Hoch sei die Aggressivität vor allem bei Jugendlichen, die sich mit brutalen Computerspielen beschäftigen. "Es gibt gewalttätige Figuren, die als Helden dargestellt werden. Da schaffen sich Jugendliche, die keine Perspektive haben, ein Idealbild." Auch Mädchen schlagen immer öfter zu. "Aber sie sind dennoch nicht gewaltbereiter als Jungen."

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