Ärzte Zeitung online, 21.10.2009

Entführter deutscher Arzt gefesselt in Frankreich gefunden

STRAßBURG (dpa). Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem mysteriösen Tod einer 15-jährigen Französin hat ein Unbekannter den deutschen Stiefvater des Mädchens geknebelt und nach Frankreich verschleppt. Der 74 Jahre alte Arzt wurde mit einer Kopfverletzung in der Nähe eines Gerichts im elsässischen Mülhausen gefunden.

Die französische Polizei nahm den Mann fest - ebenso wie den leiblichen Vater des Mädchens. Ob dieser den Arzt verschleppte, stand am Dienstag noch nicht fest.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Kempten hat ein 38-jähriger Mann aus dem Kosovo gestanden, an der Entführung beteiligt gewesen zu sein. Es soll weitere Komplizen gegeben haben. Die Polizei vermutet, dass der leibliche Vater des Mädchens hinter der Aktion steckt.

Der Mann ist überzeugt, dass der Stiefvater seine Tochter 1982 in Lindau am Bodensee vergewaltigen wollte und ihr eine tödliche Spritze gab. Bei der Obduktion wurden Genitalverletzungen festgestellt. Ein französisches Gericht hatte den Stiefvater 1995 in Abwesenheit wegen fahrlässiger Tötung des Mädchens zu 15 Jahren Haft verurteilt.

   Der Mann wurde jedoch nie nach Frankreich ausgeliefert. Die deutschen Behörden hatten ein Verfahren eingestellt, weil die Todesursache nicht zu ermitteln war.

Der Arzt war 1997, zwei Jahre nach seiner Verurteilung in Frankreich, in Kempten wegen Vergewaltigung einer unter Narkose stehenden 16-Jährigen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Er hatte ihr zwei Beruhigungsspritzen gegeben und sich nach einer Magenspiegelung an dem wehrlosen Mädchen vergangen.

Der leibliche Vater sei verzweifelt über die Untätigkeit der Justiz, "aber ich weiß nicht, ob er den Arzt nach Frankreich gebracht hat", sagte ein Bekannter des Vaters und Vorsitzender der Vereinigung "Gerechtigkeit für Kalinka" im französischen Rundfunk.

Topics
Schlagworte
Panorama (30354)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Amazonas-Volk hat die gesündesten Gefäße weltweit

In einer geradezu heroischen Studie haben US-Forscher Eingeborene der Amazonas-Region zur Calcium-Score-Messung in einen CT-Scanner geschoben. Noch nie wurde ein Volk mit so gesunden Arterien beschrieben. mehr »

Dann ist ein Hausbesuch abrechenbar

Die vollständige und vor allem korrekte Abrechnung der so genannten Leichenschau stellt Ärzte immer wieder vor Probleme. Beispielsweise stellt sich die Frage nach der eigenständigen Berechnung des Hausbesuchs. mehr »

Kiffen schädigt wohl doch Herz und Hirn

Cannabis-Konsum erhöht offenbar doch das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Zumindest hat sich ein entsprechender Zusammenhang in einer umfassenden US-amerikanischen Analyse gezeigt. mehr »