Ärzte Zeitung online, 23.10.2009

Experten: Ältere Autofahrer zum Tauglichkeitstest

WEIMAR (dpa). Mit Versicherungsrabatten und ähnlichen Anreizen sollten ältere Autofahrer nach Ansicht von Verkehrspsychologen zu regelmäßigen Untersuchungen ihrer Fahrtauglichkeit bewegt werden. Die Altersgruppe, der über 75-Jährigen seibei der Unfallgefährdung eine den Fahranfängern vergleichbare Risikogruppe.

Bei chronisch kranken Menschen leide die Fahrtüchtigkeit häufig unter regelmäßiger Medikamenteneinnahme, sagte Wolfgang Schubert, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie, am Freitag auf einem Symposium in Weimar. Die Chancen auf Einführung von Pflichtuntersuchungen für ältere Fahrer bewertete Schubert skeptisch. "Keiner traut sich an die Wählergruppe der Alten heran."

Bei der Überzeugungsarbeit für freiwillige Checks sehen die Experten vor allem die behandelnden Ärzte in der Pflicht. Sie seien die ersten, die Einschränkungen durch Krankheiten und Medikamente erkennen könnten. Sie müssten ihre Patienten entsprechend aufklären. Die Überprüfung der Fahreignung sollten laut Schubert neutrale Gutachterstellen oder Verkehrsmediziner übernehmen.

Nach Einschätzung des Heidelberger Verkehrsmediziners Rainer Mattern lassen die Arzneiverordnungen darauf schließen, dass bis zu 40 Prozent der Verkehrsteilnehmer in Deutschland unter dem Einfluss von Medikamenten stehen. Die am häufigsten verschriebenen Beruhigungs- und Schlafmittel, sogenannte Benzodiazepine, könnten das Unfallrisiko verfünffachen. Bei 20 Prozent der Blutuntersuchungen nach Alkoholunfällen finden sich nach Angaben von Mattern auch Hinweise auf Beruhigungsmittel. Riskant seien am Steuer auch bestimmte Antidepressiva, Herz- und Kreislaufmittel oder Medikamente für Diabetiker.

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