Ärzte Zeitung online, 30.10.2009

Aschaffenburger soll Banken um hunderte Millionen gebracht haben

WÜRZBURG/ASCHAFFENBURG (dpa). Ein Hedgefonds-Manager aus Aschaffenburg soll internationale Großbanken um etliche Millionen Euro gebracht haben. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa geht es um einen Schaden von mehr als 200 Millionen Euro.

Der 50 Jahre alte studierte Psychologe wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft Würzburg vom Donnerstag am Vortag festgenommen. Er soll Banken wie Barclays und BNP Paribas betrogen haben und mit deren Geld unter anderem einen Helikopter, zwei Flugzeuge, Häuser in Florida und ein Grundstück in Aschaffenburg finanziert haben.

Die Millionen der Institute sollen weitgehend verloren sein. Der Manager sitzt derzeit wegen Untreue- und Betrugsverdachts in Untersuchungshaft. Die Anwälte des 50-Jährigen von der Münchner Kanzlei Lutz Libbertz kündigten an: "Wir werden Haftbeschwerde einlegen."

Der Milliardär soll mit Barclays vor etwa fünf Jahren Kontakt aufgenommen haben. Das Geld der Bank soll der Mann in verschiedene Fonds investiert haben, ohne Wissen der Bank. Über ein kompliziertes Firmengeflecht sollen die Gelder zum Beispiel zum Kauf eines Flugzeuges genutzt worden sein. Dieses wollte der Beschuldigte offenbar an Geschäftskunden weitervermieten und es zugleich als Sicherheit für ein Darlehen bei einer anderen Bank nutzen.

Die Finanzaufsicht Bafin hat den Tatverdächtigen seit 2001 im Visier. Der 50-Jährige war unter anderem bereits 2001 aufgefallen, weil er ohne Erlaubnis Gelder von Kunden einsammelte, verwaltete und anlegte - also eine Finanzportfolio-Verwaltung führte. Dies wurde ihm damals untersagt. Dem folgten weitere Verfahren, eines ist einem Bafin-Sprecher zufolge noch anhängig.

Ob auch deutsche Anleger von den angeblichen Machenschaften des Managers betroffen sind, war zunächst unklar. Am Mittwoch hatte die Polizei aufgrund mehrerer Anzeigen die Wohnung des zweifachen Familienvaters sowie weitere Objekte durchsucht. "Das ist ein laufendes Verfahren, das größerer Ermittlungen bedarf", sagte Würzburgs Leitender Oberstaatsanwalt Dietrich Geuder. Die Beamten hätten etliche Dokumente mitgenommen, die nun geprüft werden müssten.

Der 50-Jährige betreibt mehrere Hedgefonds, die teilweise in der Karibik registriert sind. Hedgefonds sind besonders spekulative Fonds, die kurzfristig möglichst hohe Erträge erwirtschaften sollen. "Hedge" steht eigentlich für den Versuch, eine Investition gegen Risiken - wie etwa Kurseinbrüche oder Wechselkursveränderungen - abzusichern. Hedgefonds setzen auf die absolute Rendite unabhängig vom Marktumfeld.

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