Ärzte Zeitung online, 12.11.2009

"Green Porno": Isabella Rossellini zeigt Insekten-Sex

HAMBURG (dpa). Solche Tierdokumentationen hat vermutlich noch niemand gesehen: Urkomisch und lehrreich - und noch dazu ohne ein einziges Tier. Isabella Rossellini, Filmstar mit Sinn für Extravagantes, ist (fast) die einzige Darstellerin in ihrer Kurzfilmreihe "Green Porno".

Verkleidet als Libelle, Wurm oder Fliege demonstriert sie in acht Episoden wie Insekten leben und vor allem lieben. Arte zeigt die ein- bis dreiminütigen Filmchen in der Nacht von Freitag auf Samstag um 0.25 Uhr zusammen mit Rossellini-Interviews in der Sendung "Kurzschluss - Das Magazin".

"Ich habe mehrmals am Tag Sex", so brüstet sich Rossellini in ihrer Rolle als männliche Fliege, "bei jeder Gelegenheit, mit jedem Weibchen". Gekleidet in einen schwarzen Bodysuit, an dem haarige Fliegenbeine schlenkern, auf dem Rücken Flügel, die Augen rot und glubschig, vollzieht sie anschaulich den Akt. Doch nicht nur das: Vor einem Teller Spaghetti kauernd spuckt sie - durch einen an der Nase baumelnden Rüssel - auch ins Essen. Denn Fliegen, so lernt der Zuschauer, müssen ihre Nahrung erst verflüssigen, bevor sie sie aufsaugen können.

In unmöglichen Kostümen, die auf jeder Karnevalsparty Preise gewinnen würden, gibt die italienische Schauspielerin (57) das wissenschaftlich fundierte Wissen über Insekten in spielerischer, absurder, aber auch anschaulicher Weise weiter. Nicht nur als Fliege, sondern auch als Libelle, Schnecke, Leuchtkäfer, Regenwurm, Spinne, Biene oder auch Gottesanbeterin legt sie den Fokus dabei vor allem auf das Sexleben der Insekten. "Ich steh‘ auf Sadomasochismus", sagt sie stöhnend als Schnecke.

"Jeder ist an Sex interessiert", meinte Rossellini kürzlich bei der Vorstellung ihres Projekts. Aber das teils "skandalöse" Sexualleben der Tiere sei weithin unbekannt. Deswegen seien die Beiträge auch wissenschaftlich korrekt, aber eben auch komisch: "Die Zuschauer sollen lachen und Spaß haben und dann sagen: 'Das wusste ich ja gar nicht!‘."

Die Kurzfilme, die zusammen mit Jody Shapiro entstanden, sind das Regiedebüt von Rossellini, die als Tochter von Ingrid Bergmann und Roberto Rossellini meist nicht in Blockbustern, sondern in anspruchsvolleren Filmen wie "Blue Velvet" oder "Wild at Heart" zu sehen war. Und beim Leben der Insekten bleibt sie nicht stehen: Sie hat weitere Kurzfilme zum Leben der Meerestiere gedreht. Insgesamt 18 der Filme sind kürzlich zusammen mit einem Bilderbuch im Schirmer und Mosel Verlag erschienen.

Die Idee zu den Filmen stammt von Robert Redford. Gedacht war die Produktion als "Experiment" für Redfords Kanal "Sundance Channel", wie Rosselini erklärt. Es sollte - internettauglich - eine "Umweltbotschaft" in Kurzfilmform verbreiten.

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