Apotheker plus, 04.12.2009

Weihnachtsduft in jedem Raum ...

Der Wirkung von Düften kann man sich kaum entziehen. Düfte rufen verschiedenste Erinnerungen hervor, beleben, entspannen und sollen sogar zum Kaufen anregen.

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Foto: felix ©www.fotolia.de

Von Ursula Armstrong

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Fichtennadel-Duft wirkt beruhigend.

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Zimt, Nelken, Anis und Vanille - jetzt ist wieder die Zeit der Weihnachtsdüfte. Und ob man will oder nicht, diese Düfte wecken Erinnerungen: an Erwartungen, die man als Kind an Weihnachten hatte, an das Plätzchenbacken - oder auch an Familienkräche an Heiligabend.

Düfte sind eng gekoppelt mit Erinnerungen und Emotionen, da das Riechhirn, wo die Signale aus Millionen von Riechzellen aus der Nase verarbeitet werden, eng verbunden ist mit dem limbischen System, das die Emotionen steuert. Die allererste Verbindung eines Geruchs mit einer Emotion bleibt hängen und wird geradezu ins Gedächtnis eingraviert, wie eine aktuelle Studie von israelischen Wissenschaftlern bestätigt. Geräusche dagegen haben keine so starke Verbindung mit Gefühlen.

Mit Lavendel und Minze gegen Schmerzen

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Ylang-Ylang-Duft wird gern gegen Stress genutzt.

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Und Düfte können noch viel mehr. Pflanzliche ätherische Öle aus Blüten, Blättern, Hölzern oder Samenkönnen beleben, entspannen, aufmuntern und die Herbst-Tristesse vertreiben. Dazu werden die natürlichen Rohstoffe ausgepresst (etwa Zitrusfruchtschalen), extrahiert, mazeriert oder destilliert.

Die Aromatherapie mit natürlichen ätherischen Ölen wird sogar gezielt medizinisch eingesetzt. Im M.-D.-Anderson-Krebszentrum der University of Texas in Houston zum Beispiel wird Aromatherapie als komplementäre Therapie genutzt. Gegen Stress und Schmerzen nutzen die US-Experten fünf ätherische Öle: Lavendel, Rosmarin, Grüne Minze, Lorbeer und Ylang Ylang.

Auch in Schulen hat sich Aromatherapie bewährt. Im Pilotprojekt "Dufte Schule" wurden Klassenzimmer mit Duftsäulen ausgestattet, die eine speziell zusammengestellte Duftmischung verströmen. Dazu gehören etwa Zitrusdüfte, die die Konzentration fördern sollen, und Lavendelöl, das entspannt und eine ausgleichende Wirkung entfalten soll.

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Zimtduft schafft Wohlbehagen, Entspannung und Harmonie.

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In 18 Schulklassen aller Arten von Schulen mit insgesamt über 300 Schülern war der Einfluss des Duftes gemessen worden: Um 39 Prozent waren die Konzentration und um 44 Prozent die Motivation gestiegen verglichen zu der Zeit ohne Duft in der Klasse. Auch die Aggressivität der Schüler hatte abgenommen, und zwar um 32 Prozent.

Die Macht der Düfte als Marketingstrategie

Den Einfluss von Gerüchen auf das Kaufverhalten hat in den 90er Jahren Anja Stöhr von der Universität Paderborn den untersucht. Die Wirtschaftswissenschaftlerin konnte zeigen, dass eine angenehme Raumluft das Wohlbefinden der Kunden steigert. Die Kunden blieben länger im Geschäft, befassten sich mit dem Sortiment und waren offen für Beratung. Die Kauflust stieg unter dem Einfluss eines Dufts um fast 15 Prozent. Der Umsatz stieg um etwa sechs bis acht Prozent. Am besten ist die Wirkung der Gerüche offenbar, wenn der Duft knapp unter der Wahrnehmungsgrenze liegt.

Diese offensichtliche Macht der Düfte auf die Stimmung nützen inzwischen Marketingstrategen. Durch einen jeweils zum Angebot passenden Geruch, der aus Duftsäulen oder über die Klimaanlage verströmt wird, sollen Kunden zum Kaufen angeregt werden. Dazu sind spezielle Duftmischungen im Handel. Etwa der feine Geruch nach frischem Leder für Autosalons, der warme Duft nach frisch geröstetem Kaffee für Cafés oder exotische Karibikessenz für Reisebüros.

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Rosmarin ist ein Muntermacher und fördert die Konzentration.

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Auch in Apotheken ist Duftmarketing gelegentlich schon anzutreffen. So kann das Regal mit Vitaminpräparaten etwa mit dem Duft nach frischen Früchten umgeben werden. Doch es gibt auch andere Expertenmeinungen. Danach können Düfte können zwar die Stimmung beeinflussen, aber niemals zu Handlungen manipulieren. Außerdem: Ist der Duft nur ein wenig zu stark, kann er sogar abstoßend wirken - und die Kunden verduften.

Ein dufter Tipp

Entspannendes Aromabad
für kalte Winterabende:

Zwei Esslöffel Sahne (die sind nötig, damit sich die ätherischen Öle mit Wasser vermischen) werden vermischt mit einem Teelöffel Honig, fünf Tropfen Mandarinen-Öl, fünf Tropfen Orangen-Öl und zwei Tropfen Sandelholz-Öl. Das Ganze wird dann in das heiße Badewasser gegeben. (ug)

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