Ärzte Zeitung online, 23.11.2009

Tierschützer beklagen "Animal Hoarding"

MÜNCHEN (dpa). Sie nehmen so viele Hunde und Katzen bei sich auf, bis für sie selbst kein Platz mehr in der Wohnung ist. Die Fälle sogenannter "Tiersammler" häufen sich nach Beobachtung von Tierschützern.

"Es ist eindeutig mehr geworden", sagte der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes in Bayern, Berthold Merkel, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Allein in seiner zweieinhalbjährigen Amtszeit habe er 40 solcher Fälle miterlebt. Aktuell beschäftige ihn ein Paar in Unterfranken, das 140 Katzen in seinem Haus beherbergt. "Das ist keine Tierliebe", erklärte der 56- Jährige entschieden.

Besonders häufig seien Hunde, Katzen und Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Hamster vom "Animal Hoarding" betroffen. "Aber auch bei den Exoten wird es mehr. Man kann heute schließlich alles im Internet bestellen", so Merkel. Und so würden inzwischen Gruppen von mehreren Hundert Skorpionen, Würgeschlangen oder Schildkröten in Wohnungen gehalten.

"Es gibt diejenigen, die einfach ein gutes Herz haben", beschrieb Merkel einen Typ Tiersammler. Oftmals fange es mit nur wenigen Tieren an. "Dann spricht es sich herum und immer mehr Leute bringen ihre Tiere vorbei." Schließlich verliere der Besitzer völlig den Überblick. Nicht kastrierte Hunde und Katzen vermehrten sich unkontrolliert, bis sie plötzlich die ganze Wohnung oder den Garten besiedeln. Doch mit Tierliebe habe dies alles nichts zu tun, sagte Merkel. Die Menschen opferten sich zwar auf, denn oftmals brechen die Tier-Sammler alle sozialen Kontakte ab, aber den Tieren gehe es dabei vor allem gesundheitlich nicht gut.

Häufig kämen die Fälle durch Beschwerden von Nachbarn über den unerträglichen Fäkalien-Gestank ans Licht. Das Paar mit den 140 Katzen habe inzwischen von den Behörden die Auflage bekommen, 100 Tiere abzugeben. Aus Erfahrung weiß Merkel jedoch, dass die Tiersammler der Auflage meist nicht nachkommen. Als nächstes folgt dann die Beschlagnahmung der Tiere, die dann auf mehrere Heime verteilt werden. Die Reaktion der Besitzer darauf sei sehr unterschiedlich, erklärt Merkel. "Einige sind fassungslos. Sie versuchen, die Tiere vorher noch zu verstecken." Bis zum Schluss seien sie überzeugt, dass es den Tieren bei ihnen gutgeht. Andere wiederum reagierten erleichtert, dass ihnen eine große Last abgenommen werde

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