Ärzte Zeitung, 03.12.2009

Arbeitsplatz Klinik: Kann es gleiche Chancen für Männer und Frauen geben?

Chancengleichheit für Männer und Frauen in Medizin, Pflege und Verwaltung: Zwei Wissenschaftlerinnen machen eine Bestandsanalyse.

Von Christian Beneker

BREMEN. Männer und Frauen sind unterschiedlich - Binsenweisheit. Jetzt habe zwei Wissenschaftlerinnen aus Bremen und Frankfurt ein Handbuch geschrieben, das helfen soll, jenem Unterschied auch in Krankenhäusern sein Recht einzuräumen: "Arbeitsplatz Krankenhaus: familienfreundlich und geschlechtergerecht." Es geht um Chancengleichheit für Männer und Frauen in Medizin, Pflege und Verwaltung.

Der neue Praxisleitfaden zeigt Veränderungsmöglichkeiten anhand einer ganzen Reihe von praktischen Beispielen, wie geschlechtergerechte und familienfreundliche Rahmenbedingungen befördert werden können. In Zeiten, in denen es zu wenig Ärzte, Schwestern und Pfleger gibt, ist dies ein Qualitätsmerkmal für Krankenhäuser, die gutes Personal werben und behalten wollen, meint Dr. Heike Jahn vom Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin (BIPS) an der Uni Bremen, die an der Studie mitgearbeitet hat.

In zwei Kliniken haben Heike Jahn und Brigitte Wagner die Beschäftigten befragt und Daten ausgewertet, um eine Ausgangslage zu erhalten - im St. Elisabeth Krankenhaus in Leipzig und in den Oberlausitzkliniken in Bautzen/Bischofswerda. Neben den Bedürfnissen des ärztlichen und des Pflegepersonals wurden auch Anforderungen der Verwaltung, die wirtschaftlichen Interessen der Krankenhäuser und die Gewährleistung des medizinischen Versorgungsauftrages mit einbezogen.

Anhand eines fünfstufigen Schemas von Absichtserklärung bis Controlling spielt dann die Studie Veränderungsprozesse in der Klinik mit Blick auf die Chancengleichheit durch. "Es gibt Dutzende von Beispielen darüber, wie alltäglichste Arbeitsumstände und -Bedingungen Mitarbeiter benachteiligen", erklärt Jahn der "Ärzte Zeitung".

"So hatte eine Klinik eine Parkplatzpauschale für alle Mitarbeiter eingerichtet. Egal, ob für vier oder für zehn Stunden Nutzungsdauer musste dasselbe Geld entrichtet werden - das ist nicht gerecht." Ein anderes Beispiel: Männern und Frauen würden vom Patienten verschiedene Kompetenzen zugetraut. "So könnte ein Mann die Sachzusammenhänge einer Diagnose wohl besser erklären - nicht weil er es tatsächlich besser könnte, sondern weil Patienten es ihm eher zutrauen. Auch solche Gender-Orientierung sollten wir einsetzen, wo sie die beabsichtigte Wirkung zeigt und vermeiden, wo sie unbeabsichtigte Wirkungen zeigt", sagt Jahn.

Der im Auftrag des Sächsischen Staatsministerium für Soziales erarbeitete. Leitfaden ist im Internet kostenlos zu erhalten: https://publikationen.sachsen.de/bdb

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