Ärzte Zeitung online, 02.12.2009

Hirschhausen: Ich war immer hartnäckig

GIEßEN (dpa). Eckart von Hirschhausen hat viele Berufe: Arzt, Wissenschaftsjournalist, Kabarettist, Buchautor, Kolumnist ... Seit drei Monaten moderiert er im NDR-Fernsehen auch noch eine Talkshow. Drei Bücher hat der gebürtige Frankfurter bislang geschrieben, sie alle schafften es auf Platz eins der Bestseller-Liste.

Sein neues Buch heißt "Glück kommt selten allein ...". In seinem Bühnenprogramm, mit dem er derzeit durch Deutschland tourt, beschäftigt sich der 42-Jährige mit dem Thema Liebe. Die Deutsche Presse-Agentur sprach auf der Tour in Gießen mit Hirschhausen:

Frage: Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Hirschhausen: Ein Erfolgsfaktor ist die Hartnäckigkeit. Ich habe 15 Jahre lang als Einziger an den Erfolg geglaubt. Die Veranstalter konnten mit medizinischem Kabarett nichts anfangen; die Comedy-Leute meinten, so was Anspruchsvolles funktioniert nicht für die Masse. Den Wissenschaftsredakteuren beim Fernsehen war es zu lustig und den Unterhaltungsredakteuren zu inhaltlich. Im Nachhinein hatte ich allerdings den großen Vorteil, dass ich mich ausprobieren konnte und keiner es mitgekriegt hat.

Ein Vorteil ist auch, dass ich Mediziner und deshalb bei diesen Themen glaubwürdig bin. Und ich muss auch nicht immer komisch sein, sondern es gibt in meinem Programm auch ruhige und besinnliche Momente. Das muss man sich auf der Bühne auch erst mal trauen. Mit meinen Themen docke ich bei den Leuten an. Jeder hat sich schon mal blöd gefühlt, jeder war schon mal beim Arzt.

Bei meinen Büchern habe ich außerdem den Produktionsprozess umgedreht: Ich probiere die Texte auf der Bühne aus, bevor sie ins Buch kommen. In meinem Glücksbuch sind allerdings auch Texte drin, die ich nur dafür geschrieben habe. Es ist ja eigentlich ein Buch gegen Depressionen. Aber wenn das vorne draufstehen würde, hätte es keiner gekauft.

Frage: Der Ruhm hat vermutlich auch seine Schattenseiten?

Hirschhausen: Das klingt jetzt albern, aber man ist überall unter Beobachtung. Ich freue mich ja grundsätzlich, wenn die Leute gut finden, was ich mache. Doch es passiert schon öfters am Tag, dass ich erkannt werde. Es wäre ja noch ganz okay, wenn es nur auf der Straße passieren würde. Doch neulich bin ich in der Sauna angesprochen worden. Das ist wirklich ein Verlust der Privatsphäre. Und einen Kuli zum Autogrammschreiben hatte ich natürlich auch nicht dabei.

Frage: Sie haben vor kurzem bei einem Wettbewerb auf Mallorca Ihren ersten Zehn-Kilometer-Lauf hinter sich gebracht. Darf es bei Ihnen auch mal ein Marathon sein?

Hirschhausen: Nein, da habe ich keinen falschen Ehrgeiz. Marathon ist ja wie Love Parade ohne Musik. Alle Menschen, die sonst leicht autistisch vor sich hintraben, haben endlich mal ein Gemeinschaftsgefühl. Um für einen Marathon zu trainieren, bräuchte ich mehrfach die Woche Hingabe und Disziplin. Ich bin eher ein Freund der alltäglichen Bewegung, so fahre ich zum Beispiel viel Rad.

Außerdem fühlt sich mein Körper im Wasser viel wohler als auf dem Beton. Ich bin im Wasser in meinem Element und hätte gerne zu Hause in Berlin einen See in der Nähe, in dem ich jeden Morgen schwimmen könnte. Das ist für mich Lebensqualität. Zurzeit muss ich dafür noch weit fahren. Ich wohne ja im Stadtteil Prenzlauer Berg, aber auf Dauer möchte ich mehr Natur in meiner Nähe haben.

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