Ärzte Zeitung online, 08.12.2009

Fall Kalinka: Vater muss vor Ermittlungsrichter

MÜLHAUSEN/TOULOUSE (dpa). Im Fall Kalinka kommt der leibliche Vater des vor 27 Jahren getöteten Mädchens an diesem Dienstag vor den Ermittlungsrichter. Das teilte das Gericht in Mülhausen im Elsass am Dienstag mit.

Der 72-jährige Franzose hat zugegeben, dass er die Entführung des 74 Jahre alten deutschen Arztes Dieter K. nach Frankreich organisiert hat. Er wollte ihn der Justiz zu übergeben. Dieter K. hatte der damals 15-jährigen Kalinka 1982 eine Spritze gegeben, an der das Mädchen starb. Er ist der Stiefvater von Kalinka.

Die französische Justiz hatte nach der Entführung ein Verfahren gegen den leiblichen Vater von Kalinka eingeleitet. Der Mann ist nach Zahlung einer Kaution jedoch auf freiem Fuß.

Dieter K. war 1995 in Frankreich wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte die Strafe jedoch nie verbüßt, weil Deutschland ihn nie nach Frankreich ausgeliefert hatte.

Zur Zeit ist Dieter K. in Paris in Haft, wo das Verfahren erneut aufgerollt werden soll. Die Bundesregierung hat sich bisher vergeblich für die Freilassung des Mediziners eingesetzt. Eine Auslieferung des Vaters von Kalinka nach Deutschland wegen der Entführung des Arztes haben die französischen Behörden abgelehnt.

Dieter K. soll beabsichtigt haben, die damals 15-Jährige zu vergewaltigen. Der Mediziner wurde 1997 in Deutschland bereits wegen einer anderen Sexualstraftat verurteilt. Er bekam zwei Jahre Haft auf Bewährung, weil er in seiner Praxis eine 16-Jährige mit Schlafmitteln ruhiggestellt und vergewaltigt hatte.

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