Ärzte Zeitung online, 11.12.2009

Kultusminister beschließen Bachelor-Reform

BONN (dpa). Die Kultusminister haben eine radikale Reform des umstrittenen Bachelor-Studiums beschlossen. Stofffülle und Prüfungen sollen begrenzt, die Studienzeiten flexibler gestaltet und ein Hochschulwechsel erheblich erleichtert werden, vereinbarten die Minister am Donnerstagabend in Bonn.

Für die Zulassung zum weiterführenden Masterstudium können die Hochschulen aber "zur Qualitätssicherung oder aus Kapazitätsgründen" weiter eigene Zulassungskriterien bestimmen. Der Fortfall dieser Hürden vor dem Masterstudium ist eine Kernforderung der studentischen Proteste.

Rund 4000 Studenten demonstrierten am Donnerstag in Bonn für eine Entschlackung ihres Studiums und Reformen im Bildungsbereich. Kultusminister und Hochschulrektoren riefen in einer gemeinsamen Erklärung die Studenten auf, jetzt ihre Vorlesungsboykotts und Proteste einzustellen. Es sei jetzt an der Zeit, "wieder zu einem geregelten Studienbetrieb überzugehen".

Ziel der einschneidenden Korrekturen in den Bachelor-Studiengängen sei die Sicherstellung der Qualität und der "Studierbarkeit", heißt es in der Erklärung, die von den Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Henry Tesch (CDU) und Margret Wintermantel vor dem Treffen der Ministerrunde abgestimmt worden war. Die Arbeitsbelastung der Studenten in den Bachelor-Studiengängen soll überprüft und ein "realistisches und vertretbares Maß gewährleistet" werden.

Angestrebt wird dabei eine 32- bis 39-Stunden-Woche einschließlich aller Vorlesungen, Seminaren, Übungen, Praktika und Selbststudium - bei 46 Studienwochen pro Jahr. Auch sollen nach den Vorstellungen der Kultusminister mehr Bachelor-Studiengänge als bisher statt sechs Semester nun auch sieben oder acht Semester dauern.

Zugleich sollen die Prüfungsbelastungen reduziert werden, indem künftig nicht mehr als eine Prüfung pro Studienabschnitt (Modul) vorgesehen wird. Zwischen den Hochschulen soll die Anerkennung von Prüfungsleistungen "national und international vereinfacht werden", um die Mobilität der Studenten zu garantieren.

"Der Erfolg des Bologna-Prozesses setzt gute Studienbedingungen voraus", heißt es in der Erklärung weiter. Beide Seiten wollten sich dafür einsetzen, dass das Ziel des Bildungsgipfels, zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Bildung und Forschung aufzuwenden, erreicht wird. Aus diesen Mitteln solle auch die Umsetzung des Bologna-Prozesses mit den Bachelor- und Masterstudiengängen vorangetrieben werden.

Am Mittwoch nächster Woche wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über das Zehn-Prozent-Ziel bei einem "Bildungsgipfel" in Berlin beraten. Angestrebt wird, die jährlichen Ausgaben für Bildung und Forschung bis 2015 um 13 bis 18 Milliarden Euro pro Jahr zu steigern. Im Gespräch sind dabei auch Projekte zur Verbesserung der Studiensituation.

Das Bundesland Rheinland-Pfalz kündigte für die kommende Woche eine Bundesratsinitiative für eine BAföG-Reform an. "Zur Verbesserung der Studienbedingungen gehört auch die Verbesserung der sozialen Situation", sagte Landes-Kultusministerin Doris Ahnen, die Bildungssprecherin der SPD-geführten Länder ist. KMK-Präsident Tesch verwies darauf, dass verlängerte Studienzeiten beim Bachelor auch Auswirkungen auf das BAföG hätten. Mit dem BAföG greift der Staat Studenten aus einkommensschwachen Familien finanziell unter die Arme.

An der parallel stattfindenden Protestkundgebung in Bonn nahmen tausende Studenten aus ganz Deutschland teil. Sie waren in Bussen, Bahnen und in einem "Bildungsboot" über den Rhein angereist. Nach Polizeiangaben kam es zu kleineren Zwischenfällen, bei denen Pfefferspray eingesetzt wurde, nachdem Beamte angegriffen worden seien. Es gab aber bis zum Abend keine Verletzten und keine Festnahmen. Auch aus Magdeburg, Halle und Rostock wurden erneut Protestaktionen gemeldet.

Der Protest in Bonn richtete sich auch gegen die in Nordrhein-Westfalen und in fünf anderen unionsgeführten Bundesländern erhobenen Studiengebühren. Sie seien ungerecht und müssten weg, verlangten die Studenten. Erneut wurden die Studenten von den Gewerkschaften ver.di und GEW unterstützt.

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