Ärzte Zeitung online, 17.12.2009

US-Forscher erfinden Blutstill-Spritze mit Nano-Plättchen

NEW YORK (dpa). Traumatische Verletzungen etwa nach Autounfällen, aber auch Bomben in Kriegsgebieten, sind die führende Todesursache von Menschen zwischen 4 und 44 Jahren. US-Forscher glauben, mithilfe der Nanotechnik einen Weg gefunden zu haben, wie sich auch innere, nicht sichtbare Blutungen schneller stoppen lassen.

Das Team um die Biomedizinerin Dr. Erin Lavik an der Case Western Reserve Universität entwickelte synthetische Blutplättchen aus biologisch abbaubaren Kunststoffen (Polymeren), die bereits in anderen Produkten von der US-Arzneimittelbehörde FDA zugelassen sind. Die Kunststoff-Plättchen werden im Bedarfsfall gespritzt und verbinden sich an der Verletzungsstelle mit den natürlichen Blutplättchen, um die Gerinnung zu beschleunigen. Bei Ratten halbierten die künstlichen Blutplättchen die Zeit, um innere Blutungen zu stoppen (Science Translational Medicine, online vorab). Lavik und Kollegen vergleichen die Nano-Plättchen mit Sandsäcken, die bei einer Flut die Dämme eines Flusses verstärken.

   Nach Angaben der Ärzte sondern die natürlichen Blutplättchen des Körpers als Reaktion auf die Verletzung chemische Stoffe ab, die die synthetischen Plättchen mit den körpereigenen binden und den Gerinnungsprozess optimieren. Damit synthetische Plättchen, die ungebunden bleiben, nicht die Bildung gefährlicher Blutpfropfen fördern, umhüllten die US-Forscher sie mit einem Schutzschild aus Wasser. Dies half den Versuchstieren, nicht gebundene synthetische Blutplättchen innerhalb von 24 Stunden aus dem Körper zu spülen.

Die Forscher hatten nach eigenen Aussagen nach einem Mittel gegen innere Blutungen gesucht, das Ärzte in ihrem Notfallkoffer mit sich tragen können. "Das Militär ist phänomenal erfolgreich dabei, Methoden zum Stillen von Blutungen zu entwickeln, aber diese Methoden sind beschränkt auf äußere Blutungen, die verbunden werden können", erläuterte Lavik. Die Nano-Plättchen könnten daher eine sinnvolle Ergänzung gängiger Therapien darstellen, indem sie auch innere Blutungen stoppen könnten.

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