Ärzte Zeitung, 18.12.2009

"Gesundheit wird in Kopenhagen zu wenig beachtet"

Mehr Engagement gegen den Klimawandel fordert der Arzt und CDU-Europaabgeordnete Peter Liese von den Ärzten. Auf dem Klimagipfel werde außerdem zu wenig über gesundheitliche Folgen gesprochen.

Von Thomas A. Friedrich

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Kommt ein Erfolg auf dem weltweiten Klimagipfel in Kopenhagen? Die Nachrichten am Donnerstag stimmten pessimistisch.

Foto: dpa

KOPENHAGEN. Die Schlussrunde bei den Verhandlungen des Weltklimagipfels in Kopenhagen ist eingeläutet: 120 Staats- und Regierungschefs aus Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern suchen seit Donnerstag einen Ausweg aus der Verhandlungskrise. Für den deutschen Arzt und CDU-Europaabgeordneten Peter Liese zählt die Gesundheitspolitik schon heute zu den Verlierern des UN-Gipfels.

Denn aus Lieses Sicht spielt die Auswirkung des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit eine noch zu kleine Rolle: "Das Thema kommt in der gesamten Diskussion in Kopenhagen zu kurz. Leider haben viele noch den Eindruck, dass Klimawandel vor allen Dingen mit Erwärmung und Anstieg des Meeresspiegels zu tun hat", sagt Peter Liese im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Doch der Klimawandel bringe nicht nur Probleme für kleinere Inselstaaten, sondern auch für Deutschland. Diese Einsicht verbreite sich laut Liese nur langsam unter den deutschen Ärzten. "Ein erster Warnschuss war das Auftauchen von Chikungunya, einer bisher nur in den tropischen Ländern beheimaten Erkrankung in Norditalien", sagt Liese.

Während man sich in Europa durch geändertes Verhalten und mit einem intakten Gesundheitssystem gegen die Folgen des Klimawandels bis zu einem gewissen Grad wappnen kann, sieht die Lage in den Entwicklungsländern bedrohlicher aus. Missernten als Folge von Dürren oder Überschwemmungen treffen jene Menschen besonders hart, die schon mangelernährt sind. Ist zudem die medizinische Versorgung schlecht, sind die Menschen Infektionskrankheiten weitgehend ausgeliefert. Das Ziel, die Erderwärmung nicht höher als zwei Grad Celsius steigen zu lassen, sei sehr essenziell für das Klima, so Liese. "Bei einem Temperaturanstieg von mehr als zwei Grad werden wir wahrscheinlich unumkehrbare Folgen für die künftigen Generationen haben."

Auch aus diesem Grund fordert Liese mehr Engagement von der deutschen Ärzteschaft. Sie sollten sich nach seinen Worten stärker mit der Anpassung an den unvermeidlichen Klimawandel beschäftigen. "Selbst bei einem erfolgreichen Ausgang der Verhandlungen von Kopenhagen müssen wir einiges tun." Liese appelliert an die Ärzte: "Engagieren sie sich für die Reduktion von Treibhausgasen."

Der CDU-Abgeordnete im Europaparlament will sich selbst dafür einsetzen, dass im achten EU-Forschungsrahmenprogramm, welches zur Zeit verhandelt wird und ab 2013 gelten soll, ein Forschungsschwerpunkt der Bereich Klima und Gesundheit sein müsse. "Ich würde einen eigenen Schwerpunkt zum Thema Klimawandel und Gesundheit auf jeden Fall unterstützen".

Dass die Bekämpfung des Klimawandels in der EU eine Priorität ist, habe der alte und neue EU-Kommissionspräsident Barroso durch die Ernennung der schwedischen Verhandlungsführerin von Kopenhagen, Connie Hedegaard, zur künftigen EU-Klimakommissarin deutlich unterstrichen. Es wird erwartet, dass das Tauziehen zwischen den Staatschefs um neue Klimaziele und ein Anschlussprotokoll von Kyoto bis tief in die Samstagnacht andauern wird.

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