Ärzte Zeitung online, 23.12.2009

200 Jahre Lebenserfahrung dank Milch, gutem Essen und Alkoholverzicht

WASHINGTON (dpa). Denkwürdiges Doppeljubiläum am Heiligabend: Wenn alle Christen Weihnachten feiern, haben die Zwillinge Ann Primack und Charlotte Eisgrou aus Florida noch einen anderen triftigen Grund für ein Fest - beide werden dann 100 Jahre alt. Ihr Rezept für ein langes Leben: gute Gene, gutes Essen, viel Milch und kein Alkohol, verrieten die beiden dem US-Fernsehsender ABC.

200 Jahre Lebenserfahrung dank Milch, gutem Essen und Alkoholverzicht

Milch statt Sekt zum 100. Geburtstag.

Foto: © Maria Brzostowska / fotolia.com

Trotz ihres hohen Alters sind die Witwen noch rüstig, gesund und leben unabhängig. "Sie sind sehr lustig", sagt Primacks Sohn Jerry. "Sie ziehen sich ständig auf." Ein paar Streitereien habe es in all der Zeit schon gegeben, räumen die aus Chicago stammenden Schwestern ein. "Aber wir haben uns immer geliebt und werden es immer tun", sagt Ann Primack. Den größten Spaß als Erwachsene hatten sie, als sie ihre Ehemänner tauschten und es niemand bemerkte.

Die Zwillinge waren vor hundert Jahren als Frühchen mit jeweils nur 1600 Gramm Gewicht zur Welt gekommen. Brutkästen gab es damals nicht, stattdessen benutzte die Mutter Kissen. Nach der Schule 1927 war kein Geld da für höhere Bildung, also wurde Eisgrou Verkäuferin, Primack bekam eine Anstellung als Buchhalterin. Im Abstand von rund 20 Jahren zogen beide Ehepaare später nach Florida - sie besuchten sich oft, unternahmen gemeinsam lange Reisen.

Obwohl sie sich gleichen wie ein Ei dem anderen, haben die Schwestern auch noch im hohen Alter durchaus unterschiedliche Vorlieben: Ann Primack lässt ihr Haar nun grau, während Charlotte Eisgrou es immer noch rot färbt. "Jeder sagt mir, ich sehe damit jünger aus", scherzt die Rentnerin, die bis vor einem Jahr noch selbst Auto fuhr. Dann nahm ihr der Sohn die Schlüssel weg, die Straßen von Daytona Beach waren viel zu gefährlich geworden. "Das konnte sie überhaupt nicht leiden", erzählt Ann Primack heute. "Sie hat geweint und geweint und geweint."

In jungen Jahren, berichtet Ann, sei sie die Flottere von beiden gewesen. Sie liebte kurze Röcke. "Charlotte war mir nie weit hinterher, aber sie mochte keine zu knappen Kleider", berichtet die Rentnerin, die schon immer schnellere Musik bevorzugte. "Ich war genauso schillernd wie sie", protestiert Charlotte Eisgrou. Immerhin sei sie die Autofahrerin gewesen, ihre Schwester hingegen nie.

Inzwischen sehen sich die beiden nicht mehr so häufig, wie sie es gerne täten. Aber alle paar Tage, sagen sie, telefonieren sie. Ansonsten halten sie sich mit Kartenspielen, Spaziergängen, Gymnastik und Shopping fit, berichtete der Sender weiter.

Natürlich werden die Schwestern oft gefragt, was ihnen so viele Jahre bescherte. Charlotte Eisgrou ist sich sicher: Es war die Milch, die sie jeden Tag trank. "Ich weiß es - sie hat mich immer ausgelacht deswegen", berichtet sie. "Aber es war die Milch."

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