Ärzte Zeitung online, 28.12.2009

Nach Attentat-Versuch in Detroit: Kommen "Nackt-Scanner" an Flughäfen?

BERLIN (dpa). Vor rund einem Jahr sorgten EU-Pläne für sogenannte Nackt-Scanner auf Flughäfen für kontroverse Debatten. Dabei handelt es sich um Geräte, mit denen bekleidete Fluggäste praktisch bis auf die Haut durchleuchtet werden können.

Mithilfe elektromagnetischer Strahlen entsteht ein dreidimensionales Bild, auf dem der Mensch ohne Kleidung erscheint. Alle am Körper befestigten Gegenstände werden sichtbar - beispielsweise Waffen oder Plastiksprengstoffe - die mit herkömmlichen Sicherheitskontrollen schwer zu entdecken sind.

Die Geräte waren damals schon in den USA im Einsatz - Tests in Amsterdam, Zürich und London liefen. Die EU-Kommission wollte die Geräte generell für die Flugsicherheit zulassen. Wegen des Widerstands im Europaparlament wurde das Vorhaben aber Ende Oktober 2008 zurückgezogen. Man wolle eine Denkpause einlegen, hieß es in Brüssel.

Die Bundesregierung erklärte vor einem Jahr, trotzdem nicht auf die geplanten Tests der Nackt-Scanner verzichten zu wollen. Die Laborversuche in Deutschland sollten im Dezember 2008 beginnen. Dabei sollte herausgefunden werden, ob es technisch möglich ist, dass zwar am Körper mitgeführte Sprengstoffe und Keramikmesser auf der Darstellung zu erkennen sind, aber kein Nacktbild des Passagiers. Ob die Tests wie geplant starteten und welche Erkenntnisse sie bislang brachten, blieb am Montag zunächst offen.

Kritiker erklärten damals, die Scanner seien erniedrigend und beeinträchtigten die Menschenwürde. So meinte Grünen-Chefin Claudia Roth, der Staat wolle den "gläsernen Bürger", den er vollständig überwachen und durchleuchten könne. Die Linke-Politikerin Petra Pau sprach von einer "staatlichen Peepshow". Manche Kritiker äußerten auch Bedenken wegen möglicher Auswirkungen der Maschinen auf die menschliche Gesundheit. Andere bezweifelten, dass die Scanner-Bilder mehr Sicherheit bieten als das herkömmliche Abtasten durch Menschen.

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