Ärzte Zeitung online, 28.12.2009

Grünen-Bundestagsfraktion: Weiter Abzocke mit Telefon-Warteschleifen

BERLIN (dpa). Entgegen einer Selbstverpflichtung der Industrie lassen viele Unternehmen ihre Kunden bei Telefonberatungen noch immer lange in der Warteschleife hängen und kassieren dafür hohe Gebühren. Die Grünen-Bundestagsfraktion stellte bei einem Test von 50 Anbietern verschiedener Branchen fest, dass Anrufer bei 15 Anbietern im Schnitt länger als eine Minute warten mussten, bevor sie beraten wurden.

zur Großdarstellung klicken

Langes Warten in der Telefonschleife nervt.

Foto: Gordon Bussiek©www.fotolia.de

Bei dem Telekommunikationsunternehmen 1&1 waren es sogar 23 Minuten, bei dem Mobilfunk-Anbieter O2 bei kürzerer Wartezeit von elf Minuten, aber höheren Kosten bis zu 9,80 Euro - jeweils ohne die eigentliche Beratungszeit gerechnet.

"Bei vielen Anbietern scheinen die teuren Warteschleifen zum Geschäftsmodell zu gehören. Da werden viele Millionen Euro verdient ohne Gegenleistung", kritisierte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn laut einer Mitteilung vom Montag.

In einem "Leitfaden für verbraucherfreundliche Kundenbetreuung" hatten sich zahlreiche Unternehmen 2007 verpflichtet, die Wartezeiten bei Anrufen aus dem Festnetz nicht zu berechnen und bei Anrufen vom Handy aus nur die Verbindungsentgelte in Rechnung zu stellen. Zudem sollten die Wartezeiten "durchschnittlich nicht mehr als 30 Sekunden" dauern. Diese Selbstverpflichtung waren die Unternehmen eingegangen, nachdem das Verbraucherschutzministerium ein Gesetz angedroht hatte. Allerdings haben viele Firmen die Selbstverpflichtung nicht unterzeichnet.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Medikamente auch einmal beherzt absetzen!

Viele Ärzte scheuen sich, Medikamente abzusetzen - obwohl sie wissen, dass dies Patienten oft hilft. Neuseeländische Wissenschaftler haben zwei paradoxe Gründe dafür gefunden. mehr »

Geht's auch etwas modischer in der Klinik?

Unsere Bloggerin Dr. Jessica Eismann-Schweimler hat Verständnis für die Klinik-Kleidungsvorschriften. Doch mit ein klein wenig Fantasie könnte man auch den unvermeidlichen Kasack hübscher gestalten, meint sie. mehr »

Sport im Alter schützt vielleicht vor Demenz

Dass Sport nicht Mord bedeutet, wissen Forscher schon lange. Jetzt haben Alters- und Sportwissenschaftler messen können, wie Sport das Gehirn im Alter verändert. Dient Fitness als Demenzprävention? mehr »