Ärzte Zeitung online, 30.12.2009
Trauben,
Böller, rote Wäsche - Silvesterbräuche aus
aller Welt
HAMBURG (dpa). Fondue und
Feuerzangenbowle am Abend,
Raketen und Böller um Mitternacht - typisch für
Silvester und
den Jahreswechsel in Deutschland. Im Ausland sehen die Bräuche
anders aus. Einige Beispiele:

Andere Länder, andere Sitten -
das gilt auch für Bräuche zum Jahreswechsel.
Foto: Klaus-Peter
Adler©www.fotolia.de
Griechenland: Zum Neujahrsfest
wird hier gezockt. Es geht
hoch her bei Karten- oder Würfelspielen zu Hause oder im
Kasino.
Das große Neujahrszocken beginnt bereits am Abend des 31.
Dezember und dauert oft bis zum Sonnenaufgang am 1. Januar. Landesweit
wird legal oder illegal ein dreistelliger Millionenbetrag verspielt.
Wer gewinnt, soll das ganze Jahr über Glück haben.
Wer nicht
gewinnt, kann wenigstens auf Glück in der Liebe hoffen.
Spanien: Hier gehören unbedingt
Weintrauben zur
Neujahrsnacht, die Glück bringen sollen. Um Mitternacht
schieben
sich viele Spanier bei jedem Glockenschlag eine Traube in den Mund. Wer
sich verzählt, dem steht im neuen Jahr Unheil bevor.
Supermärkte bieten für die Silvesternacht eigens
Konservendöschen mit zwölf Trauben an. In den
Kneipenvierteln
der Städte verkaufen fliegende Händler kurz vor
zwölf
Plastiktütchen mit zwölf Weintrauben - dann oft zu
Wucherpreisen.
Russland: Die für rauschende
Partys bekannten Russen
läuten mit dem letzten Tag des Jahres eine zehntägige
Festphase ein. In der Neujahrsnacht bringen Väterchen Frost,
das
Pendant zum Weihnachtsmann, und seine Begleiterin Snegurotschka
(Schneeflöckchen) die Geschenke. Im ganzen Land werden
Jolka-Feste
gefeiert. Gemeinsam sitzt die Familie um die Jolka (den Tannenbaum)
herum und isst. Nachdem die Präsidentenrede im Fernsehen
vorbei
ist, wird auf das neue Jahr angestoßen. Die
russisch-orthodoxe
Kirche richtet sich anders als die westlichen Kirchen nicht nach dem
Gregorianischen, sondern nach dem Julianischen Kalender: Weihnachten
wird erst in der Nacht zum 7. Januar gefeiert, Neujahr ist erst am 13.
Januar.
Frankreich: Wer den Jahreswechsel in
Frankreich verbringt,
darf keine ausgelassenen Feiern oder buntes Feuerwerk erwarten. In den
meisten Orten des Landes geht es in der Silvesternacht relativ ruhig
zu. Viele Franzosen treffen sich lediglich mit Freunden und Verwandten
zum Abendessen. Statt mit Böllern und Raketen wird das neue
Jahr
gewöhnlich kulinarisch mit Champagner, Stopfleber (Foie gras)
oder
Austern begrüßt. In Städten wie Paris ist
die
Böllerei sogar ganz untersagt. Die größte
Silvesterparty steigt in der Regel auf der Pariser
Prachtstraße
Champs-Elysées. Dort feiern um Mitternacht Hunderttausende
und
wünschen sich "Bonne année" (Gutes Jahr).
Großbritannien: Hier
zündet an Silvester kaum
jemand ein Feuerwerk - richtig geschossen wird im Königreich
bereits am 5. November, dem Tag an dem der Offizier Guy Fawkes ein
Attentat auf König Jakob I. versuchte. Organisierte Feuerwerke
gibt es zu Silvester jedoch auch in Großbritannien. Das wohl
größte steigt am Londoner Riesenrad "London Eye".
Dort
versammeln sich Jahr für Jahr hundertausende Menschen, um das
pompöse Lichterspiel zu bestaunen. Das Spektakel wird auch
live im
Fernsehen übertragen.
Tschechien: Hier gießen viele
Familien Blei, um in die
Zukunft zu schauen - noch älter aber ist der Brauch, einen
Apfel
zu halbieren und am Kerngehäuse das Schicksal abzulesen.
Bilden
die Kerne ein Kreuz, droht Unheil; in Sternform stehen sie für
Glück. Finanziellen Erfolg soll nach tschechischer Tradition
ein
Mitternachtsessen mit Linsen bringen, die Geld symbolisieren. Die
Hauptstadt Prag organisiert seit den 90er Jahren am Abend des 1. Januar
stets ein großes Feuerwerk, das Zehntausende anlockt.
Italien: Hier ist rote Unterwäsche
in der Neujahrsnacht
ein absolutes Muss. Wer glücklich und erfolgreich sein
möchte, sollte mit roter Wäsche ins neue Jahr
"rutschen".
Kaufhäuser und Dessous-Läden stellen daher jedes Jahr
spätestens kurz nach Weihnachten ihre Wäscheauslage
um. Egal
ob Spitzenhöschen oder Boxershorts - Hauptsache rot. Zu essen
gibt
es traditionell Schweinshaxe mit Linsen. Die deftige Kost bringt
angeblich Glück in Gelddingen.
China: Die Chinesen begehen Silvester eher
ruhig mit einem
Abendessen im Kreise der Familie oder mit Freunden. Feuerwerk gibt es
nicht. Umso größer wird dafür das
chinesische
Neujahrsfest nach dem traditionellen Mondkalender gefeiert, das in
diesem Jahr auf Mitte Februar fällt. Dann kommt das
Milliardenreich für mindestens eine Woche praktisch zum
Stillstand. In einer Völkerwanderung reisen viele Millionen
Chinesen in ihre Heimatdörfer. Am Vorabend des Neujahrsfestes,
das
auch Frühlingsfest genannt wird, werden traditionell kleine
Teigtaschen gegessen, deren Form an alte chinesische
Geldstücke
erinnert und deswegen Glück und Reichtum verheißen
soll. Den
ganzen Abend wird Feuerwerk gezündet. Diesmal werden die
Chinesen
das Jahr des Tigers begrüßen.
Argentinien: Hier, auf der
Südhalbkugel, treffen sich
die meisten Menschen bei hochsommerlichen Temperaturen am
frühen
Abend mit Freunden und kochen, essen und reden bis Mitternacht. Um
Punkt 0.00 Uhr bricht ein atemberaubendes Feuerwerk los. Tausende
Menschen stehen auf den Flachdächern ihrer Häuser, um
das
Spektakel besser sehen zu können. Zu gutem heimischem Sekt
heißt es dann "Feliz Año Nuevo!" (Frohes Neues
Jahr!). Wer
Lust hat, kann sich dann ab etwa 2.00 Uhr morgens in Clubs und Bars
vergnügen. Aber Vorsicht: Schon von 8.00 Uhr an brennt einem
die
Sonne gnadenlos auf den verkaterten Kopf.
USA: Vor allem im Süden der USA
werden zu Silvester
gerne Linsen oder Linsensuppe gegessen. Weil die Linsen ein bisschen
wie Münzen aussehen, sollen sie Glück und Geldsegen
versprechen. In Teilen Pennsylvanias - dort, wo früher viele
Deutsche siedelten - gehört auch Sauerkraut zu den
Traditionsgerichten. Dann gibt es noch die Regel "Nothing Goes Out",
nach der am ersten Tag des Jahres nichts das Haus verlassen darf, auch
nicht der Müll. Wenn doch, droht Unglück.
Bulgarien: Hier geht es mit
Schlägen auf den Rücken
ins neue Jahr - sie sollen Gesundheit und Reichtum bringen.
Für
diesen weit verbreiteten Neujahrsbrauch wird ein Ast des
Kornelkirschbaums bunt geschmückt, der so zu einer
"Surwatschka"
wird. In der Silvesternacht und am Neujahrstag gehen Kinder von Haus zu
Haus und schlagen damit die Bewohner auf den Rücken. Dabei
wünschen sie nach alter Tradition ein gesundes,
glückliches,
fruchtbares und reiches neues Jahr. Dafür bekommen sie kleine
Geschenke wie Bonbons, Kuchen, Früchte oder Kleingeld.
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