Ärzte Zeitung online, 13.01.2010

Hunderte Tote auf Haiti befürchtet

PORT-AU-PRINCE/WASHINGTON (dpa). Nach dem vermutlich schwersten Erdbeben auf Haiti seit 200 Jahren werden allein in der Hauptstadt Port-au-Prince Hunderte von Toten befürchtet. Es sei zwar derzeit unmöglich zu sagen, "wie viele Tote es gegeben hat, aber die Schäden sind gewaltig", berichtete die Nachrichtenagentur Haiti Press Network (HPN) in der Nacht zum Mittwoch.

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Das Epizentrum des Erdbebens lag unweit der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince.

Foto: © dpa

Auf Fernsehbildern war zu sehen, dass in der Millionenstadt zahlreiche Gebäude eingestürzt sind, auch der Präsidentenpalast im Zentrum der Metropole wurde zu großen Teilen zerstört. Überall auf den Straßen lagen blutüberströmte Verletzte. Helfer versuchten, mit bloßen Händen Verletzte aus den Trümmern zu bergen.

Das Beben der Stärke 7,0 hatte das ärmste Land der westlichen Hemisphäre am Dienstagnachmittag (Ortszeit) erschüttert. Das Epizentrum lag nur wenige Kilometer südwestlich der Hauptstadt. Mit der hereinbrechenden Dunkelheit folgten zahlreiche, zum Teil schwere Nachbeben.

Eine Überlebende berichtete in der Nacht zum Mittwoch, über der Stadt türme sich eine riesige Staubwolke. "Es ist schrecklich", schrieb sie in einer E-Mail. Telefongespräche waren nicht möglich, weil die Netze zusammengebrochen waren. An mehreren Stellen in Port-au-Prince brachen Feuer aus - vermutlich weil Gasleitungen geplatzt waren.

Medizinische Versorgung der Verletzten schwierig

Auf rasche Hilfe der eigenen Behörden können die Menschen in Haiti einer Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zufolge nach dem Beben nicht hoffen. "Es gibt keine medizinische Versorgung für die Bevölkerung und die wird es jetzt natürlich auch nicht geben", sagte Svenja Koch am Mittwochmorgen dem Audiodienst der Deutschen Presse-Agentur dpa. Zudem gebe es keinerlei Katastrophenvorsorge, die Menschen seien auf sich gestellt. Das DRK habe derzeit drei Mitarbeiter im Land, die aber noch keine Informationen geliefert hätten.

In Port au Prince zögen sich die Elendsviertel die Hügel hoch, zudem gebe es am Meer große auf Müll gebaute Slumgebiete. Sie seien besonders anfällig für Erdbeben. Allerdings sei von Vorteil, dass die Hütten dort nicht massiv seien. "Es gibt nicht so viele feste und große Gebäude, vielleicht ist das für die Leute ein Glück." Wegen der fehlenden medizinischen Versorgung könnten aber auch leichte Verletzungen tödlich enden, etwa durch Blutvergiftungen.

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