Ärzte Zeitung online, 25.01.2010

Happy Birthday? - Kalifornische Achtlinge ein Jahr alt

LOS ANGELES (dpa). Sie heißen Noah, Maliyah, Isaiah, Nariyah Makai, Josiah, Jeremiah und Jonah. Bereits eine Woche nach ihrer Geburt stellten die sechs Jungen und zwei Mädchen einen Rekord auf - als die am längsten überlebenden Achtlinge der Welt. Die Babys waren am 26. Januar 2009 in der Nähe von Los Angeles per Kaiserschnitt entbunden worden.

An diesem Dienstag werden sie ein Jahr alt. Weltweit sind nur sechs Achtlingsgeburten dokumentiert. In den meisten Fällen überlebten nur wenige oder keines der Kinder.

Das Team aus 46 Ärzten und Helfern im Kaiser Permanente Krankenhaus in Bellflower hatte "nur" sieben Kinder erwartet. Ihre Augen wurden "so groß wie Untertassen", als sie das Achte entdeckte, sagte die Gynäkologin Karen Maples nach der spektakulären Geburt. Nur zwei der Neugeborenen mussten zunächst künstlich beatmet werden, bei einem dritten wurde mit Sauerstoff nachgeholfen. Das kleinste Kind brachte 680 Gramm auf die Waage, das Schwerste 1470 Gramm. Nach vollbrachter Tat strahlten die Ärzte über die "fantastische" Geburt. Die Mutter sei eine "sehr mutige und sehr starke Frau".

Doch kaum lagen die Frühchen im Brutkasten, geriet die Mutter schon ins Schussfeuer der Kritik. Die heute 34 Jahre alte Nadya Suleman hatte bereits sechs Kinder im Alter von zwei bis sieben Jahren, alle durch künstliche Befruchtung gezeugt. Die unverheiratete, arbeitslose Sozialhilfeempfängerin lebte beengt im Haus ihrer Eltern. Vorwürfe, ihre künstliche Befruchtung sei unverantwortlich und riskant gewesen, wies sie prompt zurück. Sie habe sich sechs Embryonen einpflanzen lassen, sagte Suleman, zwei von ihnen hätten sich zu Zwillingen entwickelt. Eine Abtreibung einzelner Föten sei für sie nicht infrage gekommen. "Jeder Bioethiker und Fruchtbarkeitsspezialist würde zustimmen, dass es unverantwortlich und unethisch ist, so viele Embryonen einzupflanzen", klagte die Bioethikerin Sara Rosenthal. "Dies ist ein skandalöser Vorgang, der nicht hätte passieren dürfen".

"Octomom", wie sich die Achtlings-Mutter nennt, macht seither immer wieder Schlagzeilen. Perfekt getimt mit dem ersten Geburtstag ihrer Kinder zeigt Suleman in dieser Woche auf dem Cover des US- Boulevardmagazins "Star" knapp bekleidet ihren "neuen Bikini-Körper" her. Allein mit strikter Diät und Sport sei sie von 122 Schwangerschaftskilos auf jetzt 54 Kilogramm runter gekommen. "Meine Freunde nennen mich Gummiband, weil ich nach jedem Kind immer wieder schnell in Form war", prahlt die 34-Jährige. Schönheitschirugie? "Nie im Leben, das wäre geschummelt".

Gleich nach der Geburt hatte sich Suleman einen Presseagenten beschafft und sich schnell mit ihm überworfen. Ex-Sprecher Victor Munoz wirft ihr in der neuesten Ausgabe des Blattes "National Enquirer" Lügen und Geldsucht vor. "Von Anfang an wollte Nadya mit ihrer Schwangerschaft Geld machen. Sie hatte große Angst, dass Leute herausfinden würden, welch enormes Risiko sie eingegangen ist, um berühmt zu werden". Geld verdient sie bereits mit ihrem Nachwuchs. "Octomom" hat einen Drei-Jahres-Vertrag für eine Reality-Show unterzeichnet. Mit ihrer Kinderschar posiert sie für angeblich 250 000 Dollar vor den Fernsehkameras.

Im vorigen März räumte sie in einer Talkshow recht erschöpft ein, dass die Zeugung so vieler Babys möglicherweise ein Fehler war. "Ich habe nicht klar nachgedacht", sagte Suleman. Es war eine "irrationale" Entscheidung, die sie mit dem Herzen, aber nicht mit dem Kopf getroffen habe. Im November schlug sie beim Sender NBC ganz andere Töne an. Sie sei durchaus "offen" dafür, noch mehr Kinder zu haben.

Suleman zufolge haben alle Kinder denselben Vater. Ein Bekannter habe ihr zuliebe Samen für die Zeugung ihrer ersten sechs Kinder gespendet, doch dann habe sie "hinter seinem Rücken" eingefrorene Embryonen für die Achtlingsschwangerschaft benutzt, bekannte sie reumütig im vergangenen Sommer.

Für Sulemans Arzt könnte die Prozedur noch böse Folgen haben. Der Mediziner, der in Beverly Hills eine Fruchtbarkeitsklinik betreibt, habe einen unnötig großen Vorrat an Embryonen produziert und es unterlassen, den geistigen Zustand seiner Patientin zu prüfen, so der Vorwurf der kalifornischen Gesundheitsbehörde im Dezember. Ihm droht ein Berufsverbot, wenn die Vorwürfe bestätigt werden. In Deutschland dürfen Ärzte nach dem Embryonenschutzgesetz einer Frau höchsten drei Embryonen pro Zyklus einsetzen. In den USA gibt es keine gesetzlich festgeschriebene Höchstgrenze. Viele Ärzte halten aber Schwangerschaften mit mehr als zwei Babys für riskant.

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