Ärzte Zeitung online, 25.01.2010

Planungen für den Wiederaufbau Haitis beginnen

PORT-AU-PRINCE/HAMBURG (dpa). Knapp zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti mit mindestens 112 000 Toten und riesigen Zerstörungen beginnt die internationale Staatengemeinschaft mit der Planung des Wiederaufbaus. Die EU-Außenminister kamen am Montag in Brüssel zusammen, um sich vor der für März geplanten internationalen Geberkonferenz für Haiti auf ein gemeinsames Vorgehen zu einigen. Sie beschlossen, etwa 300 paramilitärisch ausgebildeten Gendarmen für mehr Sicherheit in Haiti zu entsenden.

Im kanadischen Montreal trafen sich am Montag Abgesandte von mehr als 20 Staaten, darunter auch US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr französischer Kollege Bernard Kouchner. Bei dem Treffen mit dem haitianischen Premier Jean-Max Bellerive sollte über den Wiederaufbau des zerstörten Karibikstaates beraten und die für März geplante größere Geberkonferenz vorbereitet werden.

Derweil steigt die Zahl der Obdachlosen: Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte sie die Million erreichen. Das UN-Büro zur Nothilfe-Koordinierung rechnet mit 800 000 bis zu einer Million Menschen, die dringend Zuflucht suchten, wie die UN in New York mitteilten. Die Zahl der Toten geben die Vereinten Nationen mit 112 250 an, etwa 194 000 Menschen seien verletzt worden.

Europäische Polizeitruppe für Haiti steht bereits

Die Vereinten Nationen hatten die EU informell um Hilfe für die UN-Mission MINUSTAH gebeten, um die Lage in dem Karibikstaat zu stabilisieren. Die "Europäischen Gendarmerietruppe" (EGF) besteht aus mindestens 800 rasch einsetzbaren Polizisten aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Portugal, Rumänien und Spanien. Die sechs Länder seien auch für die Teilnahme an einer EGF-Mission in Haiti bereit, sagte der spanische Außenminister und amtierende EU-Ratsvorsitzende Miguel Angel Moratinos.

Frankreich hatte den Einsatz der EU-Polizeieinheit vorgeschlagen. Paris will dafür ein halbes Jahr lang 100 Gendarmen abstellen. Diplomaten zufolge will auch Italien 100 Beamte schicken, die Niederlande gut 50 und Spanien etwa 40. Dagegen äußerte sich Großbritanniens Europaminister Chris Bryant skeptisch. "Ich bin mir nicht sicher, dass das notwendigerweise der richtige Weg ist", sagte Bryant. Erforderlich seien auch langfristige Antworten.

Deutschland will sich nicht mit Polizeikräften beteiligen. Nach Ansicht der Bundesregierung sind vor allem französisch sprechende Polizisten gefragt, um in der einstigen Kolonie Frankreichs zu helfen. Außenminister Guido Westerwelle betonte, dass die Bundesregierung 15 Millionen Euro für Hilfsaktionen bereitgestellt habe. "Entscheidend ist ja nicht die Struktur, oder wer (sich) mit welchem Organisationsmodell durchsetzt", sagte er. "Entscheidend ist, dass die Hilfe ankommt."

Nachbeben in Haiti, auch in Costa Rica bebt die Erde

Nachbeben versetzten die Menschen in Haiti immer wieder in Panik. Erst am Sonntag hatte ein Nachbeben der Stärke 4,7 den Karibikstaat heimgesucht. Das mittelamerikanische Costa Rica wurde am Montag von einem Beben der Stärke 4,7 erschüttert. Mit jedem weiteren Erdstoß wächst die Angst der Menschen, vor allem der Kinder, dass ihnen die ohnehin brüchigen Häuser im wahrsten Sinne des Wortes auf den Kopf fallen.

Das Wichtigste sei nun, die Menschen aus der Hauptstadt Port-au- Prince an Orte zu bringen, wo sie Zelte, Essen und Wasser bekommen, sagte der aus Haiti stammende Musiker Wyclef Jean am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur dpa auf Haiti. Der 37-Jährige ist seit dem Erdbeben bereits zum zweiten Mal auf Haiti, wo er noch Freunde und Familie hat. "Wir arbeiten zur Zeit vor allem an der Logistik. Wir müssen viele Menschen mit Essen versorgen, wir brauchen Wasser und wir versuchen, soviel Hilfe wie möglich vom Flughafen zu den Menschen zu bringen."

So nutzen auch immer mehr Menschen die kostenlosen Transportmöglichkeiten, um Port-au-Prince zu verlassen. Schon 235 000 Einwohner haben nach UN-Angaben diese Gelegenheit genutzt. Allein mehr als ein Viertel seien Richtung Norden nach Artibonite gefahren, dem größten der Departements Haitis. Hinzu kämen noch viele Überlebende, die Port-au-Prince auf eigene Faust verlassen hätten. Hilfsorganisationen bemühten sich, einen Überblick über die Flüchtlinge zu bekommen, um sie auch außerhalb der Hauptstadt versorgen zu können.

Die Philippinen entsandten am Montag einen Hilfstrupp mit mehr als 20 Ärzten und medizinischen Helfern. Sie sollten über San Francisco, Miami und die Dominikanische Republik am Dienstag Haiti erreichen. "In dem Team sind unter anderem drei Traumaexperten, zwei Orthopäden, zwei Anästhesisten und ein Internist", sagte Esperanza Cabral vom Gesundheitsministerium. Auch die japanische Regierung erwägt, 100 bis 200 technische Helfer in das Erdbebengebiet zu schicken, um die zerstörte Infrastruktur - etwa Schulen und Straßen - wieder aufzubauen.

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