Ärzte Zeitung online, 29.01.2010

Jeder zweite Deutsche spielt Glücksspiele

KÖLN (eb). Etwa die Hälfte der 16- bis 65-jährigen Deutschen hat in den vergangenen zwölf Monaten ein oder mehrere Glücksspiele gespielt. Damit bleibt der Anteil der Glücksspielenden in Deutschland auf dem Niveau von vor zwei Jahren. Problematisch entwickelt sich das Glücksspielverhalten in der Gruppe junger Männer, die an Automaten spielen.

Jeder zweite Deutsche spielt Glücksspiele

Vor allem junge Männer sind gefährdet, glücksspielsüchtig zu werdeng. © rare/ fotolia.com

Das geht aus der neuen Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Glücksspielverhalten in Deutschland hervor, die heute veröffentlicht wurde.

Bei den 18- bis 20-Jährigen etwa hat sich der Anteil von Automatenspielern von knapp sechs Prozent im Jahr 2007 auf 15 Prozent im Jahr 2009 mehr als verdoppelt. Insgesamt nehmen mehr Männer (60 Prozent) als Frauen (47 Prozent) an Glücksspielen teil.

40 Prozent der Befragten haben im vergangenen Jahr ihr Glück beim Lotto "6 aus 49" versucht. Das waren 4,5 Prozent mehr als 2007. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist dieser Anstieg in erster Linie auf zwei hohe Lotto-Jackpots in den letzten zwei Jahren zurückzuführen.

Darüber hinaus weist nach aktuellen Schätzungen etwa 1,1 Prozent der deutschen Bevölkerung ein problematisches oder sogar pathologisches Spielverhalten auf. Das entspricht rund 600.000 Menschen.

"Das Glücksspielverhalten in Deutschland bietet weiterhin Anlass zur Sorge", so Professor Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA. "Insbesondere junge Männer sind gefährdet, glücksspielsüchtig zu werden. Häufig unterschätzen sie die Gefahren dieser Spiele und glauben, das Glücksspiel kontrollieren oder Glückssträhnen erkennen zu können."

Zugleich zeigt die Repräsentativbefragung der BZgA, dass sich immer mehr Deutsche der mit Glücksspiel verbundenen Risiken bewusst sind. 61 Prozent der Befragten fühlen sich heute gut über die Gefahren des Glücksspiels informiert. Im Jahr 2007 war es nur etwa jeder Zweite. Außerdem informieren sich heute mehr Personen gezielt über die Belastungen und Probleme durch Glücksspiele und immer mehr Menschen wissen, wo sie bei Bedarf Hilfe und Beratung erhalten.

Präventionskampagne "Spiel nicht bis zur Glücksspielsucht!"

Seit 2007 führt die BZgA in Kooperation mit dem Deutschen Lotto- und Totoblock (DLTB) die Präventionskampagne "Spiel nicht bis zur Glücksspielsucht!" durch. Mit bundesweiten Aufklärungsmaßnahmen, regionalen Informations- und Beratungsangeboten sowie der Zusammenarbeit mit Suchtpräventionseinrichtungen auf Landesebene wird die Bevölkerung für die Risiken des Glücksspiels sensibilisiert.

Außerdem erhalten Betroffene und ihre Angehörigen Hilfe und Beratung bei der Bewältigung ihrer Probleme. "Unsere Anstrengungen zur Prävention der Glücksspielsucht zeigen Wirkung", Pott in einer Mitteilung des BZgA. "Gemeinsam mit den Ländern wird die BZgA auch zukünftig die Präventionsmaßnahmen weiter ausbauen, um der Glücksspielsucht in der Bevölkerung entgegen zu wirken."

  • Auf der Internetseite der BZgA "Spiele nicht bis zur Sucht" finden Betroffene und Angehörige ein umfangreiches Informations- und Beratungsangebot mit einem kostenlosen Online-Ausstiegsprogramm, einer Chat-Sprechstunde und einem Selbsttest zum eigenen Glücksspielverhalten.
  • Die BZgA biete auch telefonische Beratung unter der kostenlosen Rufnummer 0 80 01- 37 27 00.
  • Broschüren zum Thema Glücksspiel und Glücksspielsucht können kostenfrei bestellt werden bei: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 51101 Köln, Fax: 0221-8992257;E-Mail: order@bzga.de
  •  www.bzga.de

    Schreiben Sie einen Kommentar

    Überschrift

    Text

    Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

    Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

    Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

    Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

    Psychotherapie-Richtlinie steht vor holprigem Start

    Der Start der neuen Psychotherapie-Richtlinie am 1. April löst bei den Beteiligten keine Begeisterung aus. Die Kritik überwiegt. Lesen Sie die aktuellen EBM-Ziffern. mehr »