Ärzte Zeitung online, 04.02.2010
Jeden
Tag werden 8000 Mädchen beschnitten
HAMBURG (dpa). Weltweit leben mehr als 150 Millionen
Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien
verstümmelt wurden. Jedes Jahr kommen nach Angaben des
UN-Kinderhilfswerk UNICEF etwa drei Millionen Mädchen dazu.
Das sind 8000 Opfer jeden Tag, die oft mit schmutzigen Messern oder
Rasierklingen misshandelt werden.
Einige sterben nach dem Eingriff, andere erleiden schwere
körperliche und psychische Schäden. Das reicht von
hohem Blutverlust, andauernden Schmerzen, chronischen Infekten und
HIV-Infektionen bis zu Inkontinenz, risikoreichen Geburten oder
Sterilität. Auch in Deutschland leben etwa 20 000 betroffene
Mädchen und Frauen aus Einwandererfamilien.
Die WHO unterscheidet vier Formen der Beschneidung: Bei Typ 1
wird die Klitoris entfernt, bei Typ 2 zusätzlich die kleinen
Schamlippen. Bei Typ 3 werden die Klitoris, die kleinen und die inneren
Seiten der großen Schamlippen entfernt und die Seiten der
Vulva zusammengenäht. Typ 4 fasst alle Eingriffe zusammen, die
die weiblichen Genitalien verletzen.
Betroffen sind vor allem Mädchen und Frauen in 38
meist muslimischen Ländern West- und Nordostafrikas. In
Ägypten, dem Sudan, Äthiopien, Somalia, Mali, Guinea
und Sierra Leone sind laut WHO mehr als 90 Prozent der Frauen zwischen
15 und 49 Jahren beschnitten. Auch im Süden der arabischen
Halbinsel (besonders Jemen), Indien, Indonesien und weiteren
Ländern gibt es viele Opfer.
Die Beschneidung gilt als alte Tradition, die Mädchen
auf ihre Rolle als Frau und Mutter vorbereiten soll. Oft wird sie mit
dem Islam in Zusammenhang gebracht, obwohl sie im Koran nicht gefordert
wird. Auch Christen (Äthiopien) und andere
Religionsgemeinschaften halten an dieser Praxis fest.
Weitere Informationen bei:
Terre des Femmes
Waris Dirie Foundation

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