Freitag, 19. März 2010
Ärzte Zeitung online, 09.02.2010

Germanophobie in der Schweiz - Bildung schützt nicht vor Fremdenhass

BERLIN (eb). Deutsche Ärzte, die in der Schweiz wohnen und arbeiten, sind nicht immer beliebt. Immer wieder gibt es Debatten, in denen die Angst vor einer deutschen Übermacht thematisiert wird. In einer Studie wurden jetzt die Hintergründe der Germanophobie untersucht.

Bislang ist man in der Migrationsforschung davon ausgegangen, dass vor allem Migranten angefeindet werden, die aus fremden Kulturkreisen stammen. Doch die Deutschen stoßen trotz kultureller Nähe zur Schweiz auf Ressentiments, weil ihr massiver Zuzug als kulturelle Bedrohung verstanden wird. Marc Helbling, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung (WZB) Berlin, weist nach, dass Deutsche anders als Italiener oder Franzosen von den Schweizern als kulturell sehr verschieden wahrgenommen werden - trotz geringer Unterschiede in Sprache und Kultur.

Außerdem treten Anfeindungen gegen die Deutschen auch unter gut ausgebildeten Schweizern auf - und zwar dann, wenn die beiden Gruppen auf dem Arbeitsmarkt direkt miteinander konkurrieren, weil sie auf Jobsuche sind oder einen Karrieresprung planen. Das widerlegt die bislang im Vordergrund stehende These: Je gebildeter Menschen sind, desto weniger fremdenfeindlich sind sie.

In Helblings Studie "Why Swiss-Germans dislike Germans" stand die Stadt Zürich im Mittelpunkt, in der über 26 000 der 330 000 Einwohner aus Deutschland stammen. Sie sind dort die größte Gruppe der Einwanderer. Auf der Unbeliebtheitsskala belegen die Deutschen den vierten Platz nach den Migranten aus Ex-Jugoslawien sowie arabischen und türkischen Einwanderern. Die Deutschen sind unbeliebter als alle anderen Westeuropäer.

Für die Migrationsforschung ist das Verhältnis zwischen Schweizern und Deutschen interessant, weil es zeigt, dass auch gut ausgebildete und kulturell angepasste Einwanderer auf Ablehnung stoßen können. Allein durch bessere Ausbildung und kulturelle Integration ist das Problem der Ressentiments gegen Migranten nicht gelöst.

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