Ärzte Zeitung online, 11.02.2010

Kohlmeisen und Menschen sind sich genetisch näher, als man denkt

SEEWIESEN (mn). Kohlmeisen mit einer bestimmten Genvariante sind besonders neugierig. Dies trifft aber nicht auf alle Meisen-Populationen zu, haben jetzt internationale Forscher gezeigt. Ähnliche Ergebnisse gab es auch schon bei Forschungen über Zusammenhänge zwischen Gen und Charakter beim Menschen.

Bei dem Gen handelt es sich um das Dopamin Rezeptor D4-Gen (DRD4-Gen). Dieses beeinflusst das Erkundungsverhalten einer Reihe von Arten, auch das des Menschen und der Vögel. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass der Einfluss dieses Gens regional sehr unterschiedlich sein kann.

Die ersten Ergebnisse dazu wurden mit Vögeln im Labor erzielt. Eine neue internationale Studie mit wilden Kohlmeisen aus Belgien, England, den Niederlanden und Deutschland ergab jetzt neue Erkenntnisse: Die Verbindung zwischen Gen und Verhalten wurde nur in einer Population gefunden und nicht in allen untersuchten Populationen (Molecular Ecology 19, 2010, 832).

Den internationalen Wissenschaftlern um Professor Bart Kempenaers, Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, war es wichtig, die Verbindung zwischen dem Gen und dem Erkundungsverhalten der ursprünglich untersuchten Population zu bestätigen.

Das Ergebnis bestätigt auch Ergebnisse zu ähnlichen Forschungen beim Menschen. Auch beim Menschen wurde festgestellt, dass das DRD4-Gen mit dem Erkundungsverhalten assoziiert ist. Aber auch hier wurde gleichzeitig beobachtet, dass große Unterschiede zwischen den Populationen bestehen.

Die Forscher hoffen nun, dass künftige Untersuchungen von Kohlmeisenpopulationen auch eine Erklärung für die Unterschiede beim Menschen liefern.

Abstract der Studie: "Association between DRD4 gene polymorphism and personality variation in great tits: a test across four wild populations."

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