Ärzte Zeitung, 15.02.2010

Online-Therapie für Eltern nach Totgeburt

MÜNSTER (dpa). Eine Online-Therapie bieten Psychotherapeuten der Unikliniken Münster und Leipzig Eltern an, die ein Kind während oder kurz nach der Schwangerschaft verloren haben an. Solche Online-Therapien können aber das persönliche Gespräch in der Praxis nicht grundsätzlich ersetzen.

Online-Therapie  für Eltern nach Totgeburt

Für Eltern, die mit einer Todgeburt fertig werden müssen, gibt es eine Online-Therapie. © Oliver J. Graf / fotolia.com

Die Online-Therapie bietet ein strukturiertes Konzept: Sie besteht aus zehn Schreibaufgaben über einen Zeitraum von fünf Wochen. Zunächst beschäftigten sich die Betroffenen mit dem Verlust, so die Therapeutin Anette Kersting, die das Projekt 2007 ins Leben rief (wir berichteten).

In einer zweiten Phase schreiben die Teilnehmer einen unterstützenden Brief an fiktive Freunde, die das Gleiche erlebt hat. So entstehe eine neue Perspektive zu dem Verlust. In der dritten Phase gehe es darum, den Prozess mit Hilfe eines Abschiedsbriefs an eine selbst gewählte Person möglichst abzuschließen.

Rund 100 Patienten hat das Team von Kersting schon betreut, auch Anfragen aus Südamerika und den USA erreichten die Münsteraner. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Patientinnen eine sehr intensive Beziehung zu uns eingehen, die der in einem persönlichen Gespräch nicht nachsteht", so Kersting.

Förderlich sei wohl dabei, dass sich die Teilnehmer am Computer eher das Bild ihres Idealtherapeuten ausmalen könnten.

Der Diplom-Psychologe und Therapeut Manfred Radau, Vorstandsmitglied im Landesverband Westfalen-Lippe der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung, sagte zur dpa, dass Online-Therapien in bestimmten Bereichen ihre Berechtigung hätten. Etwa bei schweren Depressionen oder Suchterkrankungen, wo zugleich medikamentöse Therapien erforderlich sind, sei die persönliche Beziehung zum Therapeuten aber unersetzlich.

Etwa 15 Prozent aller Schwangerschaften enden mit einer Tod- oder Fehlgeburt.

www.internettherapie-trauernde-eltern.de

[28.05.2010, 16:36:22]
Cathleen Henning 
Blog zum Thema Online-Therapie von Dr. Rose Shaw
In der letzten Zeit wurde weltweit eine Vielzahl von Studien durchgeführt, die die Wirksamkeit von Online-Therapie belegen.

Eine Übersicht und Diskussion zu den neuesten Studien, die in internationalen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden, findet man hier: http://www.praxis-dr-shaw.de/blog/kategorie/online-therapie/

Damit folgt das Angebot von Münster einer allgemeinen Tendenz, die Online-Therapie zunehmend als wirksame Alternative bzw. Ergänzung zur traditionellen Therapie anerkennt. So sei nur als ein Beispiel auf ein Angebot hingewiesen, dass es seit Kurzem in Stockholm gibt: Dort wird Online-Therapie von einer städtischen Spezialklinik angeboten für Patienten mit Panikattacken sowie leichten bis mittelschweren Depressionen. Das Angebot fußt auf den Ergebnissen einer Studie, die am Karolinska Institut in Stockholm durchgeführt wurde und im oben genannten Blog detailliert vorgestellt wird.

Es wäre zu wünschen, dass es bald mehr Angebote wie diejenigen in Stockholm und Münster geben wird. Denn der Bedarf ist vorhanden.
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